Meine Morgenroutine Erfahrungen & Tipps für deine eigene Routine

Mrz 14, 2020Life Skills, Mindset, Motivation, Persönliche Erfahrung, Produktivität, Reflektion, Zeitmanagement, Ziele

So wie du in den Tag startest, so entwickelt er sich auch oft. Aber das ist erst der Anfang. Die richtige Morgenroutine kann dein Leben ohne großen Aufwand immens verbessern. Sie kann aber auch dafür sorgen, dass sie dich bei allem, was du tust, blockiert, wenn du sie nicht bewusst entwickelst.

 

Deshalb zeige ich dir in diesem Beitrag einmal meine eigenen Morgenroutine Erfahrungen: wie ich nach einigen Hürden meine erste erfolgreiche Morgenroutine aufgebaut und über mehrere Jahre verändert habe.

 

So erhältst du wertvolle Tipps zum Aufbau und zur Optimierung für deine eigene Morgenroutine und begehst hoffentlich nicht (mehr) die selben Fehler wie ich.

 

Beispielroutinen

1. Warum Morgenroutine?

In einem meiner letzten Beiträge habe ich dir bereits erklärt, wie Routinen mein Leben verändert habenDie Entwicklung einer eigenen Morgenroutine hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen.

 

Hast du den Film Rocky gesehen? Wenn ja, dann erinnerst du dich sicherlich auch an die Schlüsselszene, in der er 4 Uhr morgens aufsteht, sich einen Proteindrink aus fünf Eiern macht und danach joggen geht. In unseren Köpfen sehen wir ihn Tag für Tag ausdauernd trainieren während »Eye of the Tiger« im Hintergrund spielt. Das ist wohl das Paradebeispiel einer Morgenroutine schlechthin.
Beispielroutinen
Man trifft generell kaum eine erfolgreiche Person ohne Morgenroutine. Ja selbst Künstler wie Bobby Chiu, Anthony Jones und mehr schwören auf das zeitigere Aufstehen, um bestimmte Gewohnheiten durchzuführen – mehr als nur Wecker ausschalten, Zähne putzen und Frühstück essen.

 

Die häufigsten, morgendlichen Gewohnheiten der erfolgreichsten Kreativen und Entrepreneurs sind dabei vor allem:

 

  • Sport
  • Meditation
  • Ziele aufschreiben
  • Lesen
  • reflektierendes Schreiben
  • Arbeit an einem (Kreativ)-Projekt
  • Affirmieren
  • Visualisieren
  • Dankbarkeit praktizieren
Aber was macht diese Gewohnheiten innerhalb einer Morgenroutine so besonders im Gegensatz zu Routinen an anderen Tageszeiten?

Vorteile von Morgenroutinen

  • Priming

    Jede Disziplin beeinflusst dein weiteres Verhalten. Wenn du bereits diszipliniert in den Tag startest, wird es dir leichter fallen, diese Disziplin auch über den Tag hinweg aufrechtzuerhalten und eine generell postive Grundhaltung zu entwickeln.

 

  • Willenskraft

    Der beste Zeitpunkt, um gezielte und gute Veränderungen in deinem Leben zu bewirken ist der Morgen, da du zu diesem Zeitpunkt noch über das maximale Kontingent an Willenskraft verfügst. Während dieser Zeit fällt es dir also leichter, gute Gewohnheiten aufzubauen. Je später der Tag, desto mehr Entscheidungen triffst du und desto geringer wird deine Willenskraft.

 

  • Selbstwirksamkeit

    Wenn du selbst über deinen Morgen bestimmst, wirst du sowohl selbstbewusster als auch liebevoller. Denn damit füllst du deinen Energietank, aus dem du später auch für andere schöpfen kannst. Aus einem leeren Fass kann man schließlich kein Wasser spenden.

 

  • Produktivität

    Planst du bereits morgens deinen Tag mit klaren Prioritäten, dann hast du später einen klareren Fokus und schaffst mehr ohne mehr zu arbeiten. Du verbummelst keine Zeit, sondern arbeitest effektiver, produktiver und konzentrierter.

 

  • Gesundheit

    Sport am Morgen gibt dir einen Glückshormon Boost, der mehrere Stunden anhält und deinen Stoffwechsel richtig in Schwung bringt. So nimmst du schneller ab, verbesserst deine Durchblutung und damit auch deine Konzentration und Kreativität.

 

  • Entspannung

    Trotz der scheinbaren Mehrarbeit in der Frühe wirst du entspannter, da du bereits die wichtigsten Dinge für dich abhakst und nach deinem ganz eigenen Plan ohne Hektik in den Tag startest. Du reduzierst langfristig Stress und wirst gelassener.

 

  • Gute Laune

    Du wirst besser gelaunt sein, weil du morgens bereits so viel erreicht hast. Als Sieger des Tages gehst du in die Welt hinaus, noch bevor er richtig angefangen hat. Ein wundervolles Gefühl.

Beispielroutinen

Motivation für dich

Sind das nicht alles traumhaft schöne Dinge? Möchtest du deshalb nicht auch eine bessere Morgenroutine in deinem Leben entwickeln? Vielleicht denkst du dir aber auch: »Ok, alles schön und gut, aber das ist mir alles zu viel. Ich wüsste gar nicht wie ich das alles in meinen Morgen einbauen sollte und eigentlich habe ich auch keine Lust Stunden früher aufzustehen.« Dafür habe ich zwei Antworten.

 

Erstens: Niemand hat gesagt, dass du sofort und überhaupt sämtliche der genannten Gewohnheiten in dein Leben einführen sollst. Vergegenwertige dich deiner persönlichen Ziele und Werte. Du solltest sowieso nur das übernehmen, was dich persönlich weiterbringt. Aber sieh das Ganze doch erst einmal viel mehr als ein Experiment, in dem du die für dich passenden Teile herauspickst und ihnen Zeit gibst, sich zu entwickeln.

 

Und zweitens: Wenn ich es geschafft habe, dann schaffst du das auch. Erinnerst du dich an meine Geschichte? Wie ich ganz unten, in einem tiefen schwarzen Loch war und wie mir Routinen geholfen haben, dort herauszukommen? Nun, das war lediglich der erste Teil der Geschichte. In diesem zweiten Teil möchte ich dir erzählen, wie ich es nun konkret Schritt für Schritt gemacht habe. Ich hoffe, dass du dadurch sehen wirst, dass auch du dazu in der Lage bist, dir eine nützliche Morgenroutine aufzubauen.

2. Mein Weg zur Morgenroutine

Die Geschichte geht weiter…

So stand ich im Spätsommer 2017 da: ohne Selbstbewusstsein, ohne Job, schwer erkrankt, ohne Beziehung oder andere soziale Kontakte, ohne Passion, ohne Zufriedenheit im Studium und letztendlich ohne Perspektive für mein Leben. Meine morgendliche Routine bestand lediglich darin, den Wecker auszudrücken und mich weiter schlafen zu legen, bis ich wegen zunehmenden Rückenschmerzen doch irgendwann aufstehen musste, mich mit irgendwelchen ungesunden Resten aus dem Kühlschrank vor den Computer setzte und mit stupiden Videos den ganzen Tag mein Hirn betäubte – zumindest so lange wie ich mit meiner Erkrankung überhaupt sitzen konnte. Es war vorlesungsfreie Zeit, es gab nichts zu tun. Keine Struktur, kein Sinn. Viel Freiraum und doch gefangen in den eigenen Gedanken und dem kranken Geist und Körper.

Morgenroutine: Version 1

— zwischen 9-12 Uhr aufwachen (mit Snooze)
— Bad Routine & Frühstück
Ich fühlte mich vor die Wahl gestellt: etwas ändern oder ganz aufgeben? Es dauerte einige Zeit bis ich einen Entschluss fasste. Wie beschrieben entschied ich mich dazu, doch weiterzuleben und etwas gegen meine derzeitige Misslage zu unternehmen. Aber ich hatte keinen Schimmer, was dieses »Etwas« bloß sein sollte. Was mir allerdings klar war: meine Gedanken brachten mich um den Verstand und ohne Struktur funktionierte einfach nichts. So konnte es nicht weitergehen. Wegen bereits vorhandenen Erfahrungen mit Psychotherapeuten entschied ich mich dazu, eine neuartige Therapieform auszuprobieren. Ich hatte schließlich nichts zu verlieren. Ich kratzte das letzte Geld auf meinem Konto zusammen und investierte es in die online Therapie »Selfapy«. Dabei konnte man verschiedene Module mit Videos und Arbeitsblättern selbstständig durchlaufen, ohne dass man einen Therapeuten zusätzlich benötigte. Ich war schon immer mehr der Selbstlerner, weswegen das also perfekt passte.

Erinnere dich an das, was dir Freude bereitet

Die ersten Module fokussierten sich dabei darauf, dass ich wieder Freude in meinem Leben zulassen sollte. Die Aufgabe war, erst einmal wieder Dinge zu tun, die mich wegbrachten von dem negativen Nichts. Ich experimentierte schleppend mit verschiedenen Tätigkeiten. Durch stündliche Check-Ins in Form eines Arbeitsblattes für jeden einzelnen Tag, sollte ich dabei die Stimmung notieren, die ich bei den jeweiligen Tätigkeiten der Stunde verspürte. In den Stimmungsnotizen wurde mir klar, dass ich, wenn überhaupt, gerade zwei Dinge am liebsten tat: lesen und online Kurse durchschauen. Es war mir egal, ob mich das effektiv irgendwo gezielt hin brachte. Sehr oft waren die Themen sehr unterschiedlich, aber es erschien mir dennoch sinnvoll und lenkte mich von meinen Gedanken ab. Zudem machte es auch einfach Spaß, vielseitig Dinge zu lernen. Das hatte ich schon immer geliebt.

Plötzlich spürte ich, wie ein kleiner, vergessener Funke Hoffnung wieder in mir aufglühte. Spaß und Freude am Lernen – Gefühle, die ich schon fast vergessen hatte. So wurde es zu einer ersten Routine, dass ich mich zum Frühstück hinsetzte und nebenbei irgendwelche Videos schaute, von denen ich Dinge lernen konnte. Dabei war diese »Frühstückszeit« relativ unspezifisch, nämlich irgendwann nachdem ich zwischen 9 und 12 Uhr aufwachte. Der Rest des Tages blieb jedoch weiterhin chaotisch und ungenutzt. Kraft für Neues hatte ich noch nicht, da der Liebeskummer und die Depression noch zu tief saßen. Dennoch blieb ich dabei: morgens und ab und an Videos schauen und die Tätigkeiten der Stunden mit einem Vermerk zu meiner Stimmung aufzeichnen. Tag um Tag.

Morgenroutine: Version 2

— zwischen 9-12 Uhr aufwachen (mit Snooze)
— Bad Routine
— Frühstück & Random Recherche
Eine spezielle E-Mail riss mich dann urplötzlich aus meiner isolierten Gedankenwelt. Ich hatte es ganz vergessen, dass ich mich darum bemüht hatte, Kontakte an einer anderen Uni (Filmakademie Ludwigsburg) für ein mögliches Austauschsemester zu knüpfen – das heißt, bevor alles den Bach herunter ging. Jetzt hieß es in der Mail, dass dafür scheinbar eine Möglichkeit bestand und ich mich nur noch wegen einiger organisatorischer Fragen mit der Institutprofessorin treffen sollte.

 

Wie du schwere Entscheidungen abwägen & Ängste umgehen kannst

Eigentlich ein Grund zur Freude, aber ich war völlig überfordert. Menschlichen Kontakt hatte ich in den letzten Monaten gemieden und ich schaffte es gerade so aufzustehen und zum nächsten Supermarkt zu watscheln. Jetzt ein Gespräch mit einer Professorin um ein mögliches Austauschsemester? Uff. Ich schieb die E-Mail erst einmal beiseite und fuhr mit meiner Therapie fort. Doch je mehr ich mich um eine Antwort drückte, desto schlechter ging es mir. Ich setzte mich schließlich einige Tage später hin und überlegte krampfhaft. Sollte ich das wirklich wagen? Was, wenn ich es nicht schaffe?

 

Aber die Übungen aus den Kursen hatten mir auch einen völlig neuen Gedanken geliefert: Würde ich es bereuen, es nicht versucht zu haben? In mir hörte ich ein kräftiges »JA« brüllen. Dennoch hatte ich Angst. In einem klaren Augenblick, indem das »JA« die Oberhand gewann, tippte ich eine Antwort-Email mit der Bestätigung für das Treffen ab und drückte hastig auf abschicken.

 

Diese Methode kannst du auch wunderbar für dich selbst nutzen, wenn die Angst dich blockiert. Frage dich: Würde ich es bereuen, es nicht versucht oder getan zu haben? Warum dir die Angst generell deinen Weg im Leben zeigt, habe ich bereits in einem früheren Artikel beschrieben.

 

Neue Motivation für den neuen Weg

Oh Gott. Was hatte ich getan? Jetzt musste ich wirklich in ein paar Tagen zum Treffen mit der Professorin. Ich war kurz versucht, eine neue E-Mail zu schreiben und zu sagen, dass ich doch nicht kommen könnte. Aber zum Glück klingelte der Postbote und riss mich aus diesem Gedanken. Spulen wir etwas vor. Einige Tage später kam ich schließlich vom Treffen mit der Professorin zurück und dabei mit einer Bestätigung für das Austauschsemester. Ich war mir sicher, dass sie erkannt hatte, wie mir eigentlich zumute war, aber irgendwie hatte sie etwas in mir und meinen Arbeiten gesehen, dass ihr die Zuversicht gab, mich dennoch aufzunehmen. (An dieser Stelle vielen Dank, Frau von Staden).


Da stand ich nun. In wenigen Monaten würde das neue Semester an einer fremden Universität beginnen und ich war weder physisch noch psychisch gesund. Yey. Doch irgendwie motivierte mich das Vertrauen, das in mich gesetzt wurde. Ich sah wieder einen Sinn, wenn auch nur erst einmal für die kommende Zeit: ich musste gesund werden und mein Leben wieder halbwegs auf die Reihe bekommen, um das neue Semester zu schaffen.
Beispielroutinen

Lesen als erste richtige Gewohnheit

So ging ich die Online-Therapie mit richtigem Elan weiter an. Diese beflügelte mich auch dazu, mir neue Bücher für meine Probleme zu besorgen. Das Lesen war für mich eine weitere Quelle des Glücks, die ich dank der Übungen für mich wiederentdeckt hatte. Ich schaltete langsam, aber sicher, von meinem Opferdenken – im Sinne von »alles ist schlecht« – in den Lösungsmodus: »Was kann ich tun, damit es nicht mehr schlecht ist?«. Neben dem Lesen am Tag, wurde meine Morgenroutine konsistenter. Ich schaffte es öfter eher gegen 9 aufzustehen, da ich mich auf die Recherche und das Lesen freute. Auch bei der Recherche nahm ich mir nun wirklich aktuelle Themen vor, wie etwa was ich gegen meine Erkrankung konkret unternehmen konnte, die mich bis dato immer noch plagte. Versteh mich nicht falsch. Das waren wirklich Babysteps. Auf jede gute Stunde kamen immer noch gefühlt zehn schlechte Stunden der tiefen Traurigkeit inklusive Schlafprobleme und allem drum und dran.

Morgenroutine: Version 3

— 9 Uhr aufwachen (mit Snooze)
— Bad Routine
— Frühstück & Recherche
— Lesen
Aber das war nicht wichtig. Wichtig waren die kleinen Schritte nach vorn, egal wie winzig. Indem ich dank der Therapie immer mehr Dinge unternahm, die mir Freude bereiteten, kam ich langsam aus meinem Loch heraus. Ich gönnte mir längere Spaziergänge, Backstunden und Filmabende. Natürlich lenkten die Dinge mich erst einmal von meinen tiefer liegenden Problemen ab und waren deshalb nicht die Endlösung, aber sie ermöglichten mir eine klarere Sicht darauf statt dem ständigen Schwarz-Weiß-Sehen.

Gesundheit geht vor!

Die Bücher und die Therapie sorgten also immerhin schon in Ansätzen für eine Lösung meiner psychischen Problem. Als einen ersten Schritt besuchte ich dann mehrere Ärzte, um auch mein physisches Problem zu lösen. Ich dachte mir, egal wie chaotisch mein Leben in allen Bereichen ist: die Gesundheit muss zuerst stimmen, sonst wird alles andere auch nicht klappen. Das Ende vom Lied: ich bekam Schmerztabletten und weitere Medizin verordnet und sollte sie solange zu mir nehmen, bis ich mich operieren lies. Denn die Krankheit war bereits chronisch geworden. Es führte kein Weg an einer Operation vorbei. Ich war schockiert und musste mich schon bei der bloßen Vorstellung übergeben. Dennoch war klar: es war notwendig.


Da mich die Ärzte in der Region aber menschlich stark enttäuscht hatten, entschied ich mich für einen anderen Weg. Das Semester stand kurz vor dem Beginn, also würde ich erst kurz vor Weinachten nach Hause fahren und mich im Krankenhaus in der Nähe meiner Eltern untersuchen und gegebenenfalls im neuen Jahr operieren lassen. Ich müsste etwas länger aushalten, aber dann wusste ich auch, dass ich in sicheren Händen war, Beistand und in den Ferien genügend freie Zeit hatte, mich zu kurieren. Ich vereinbarte telefonisch einen Termin. Der Plan stand. Jetzt fehlte die Struktur, um alles bis dahin zu schaffen.

Ein neues Umfeld kann dir eine erste Struktur geben

Und diese erhielt ich auch, denn kurz danach ging auch schon das neue Semester an der neuen Uni los. Im Gegensatz zu meinem ursprünglichen Studium waren dort die Unterrichts- und Projektzeiten sehr klar definiert. So musste ich von 10 Uhr bis circa 18-20 Uhr vor Ort sein, was hieß, dass ich circa 8:45 Uhr aufwachen musste, um neben Frühstück und Fertigmachen rechtzeitig dorthin zu gelangen. Denn ich wollte auch noch etwas Zeit für die Recherche haben. Diese Gewohnheit hatte sich inzwischen gefestigt, sodass ich immer mindestens eine Viertelstunde neben dem Frühstück Recherche betrieb. Außerdem setzte ich auch das Lesen fort, doch wandelte es in Hörbuch-Form um, sodass ich ab jetzt immer den Weg zu der Uni effektiv nutzte. Dennoch war die für mich frühere Aufstehzeit erst einmal unangenehm und ich verplemperte nach wie vor viel Zeit mit Snooze und Social Media. Aber dadurch, dass es eben eine klare Studienstruktur gab und ich tatsächlich in einem Team »erwartet« wurde und sowieso schon immer eher eine pünktliche Natur war, wurde auch das schnell zur Gewohnheit.

Morgenroutine: Version 4

— zwischen 8:45-9:00 Uhr aufwachen (mit Snooze teilweise)
— Bad Routine
— 20 Minuten Frühstück & Recherche
— Hörbuch auf dem Weg zur Uni
Das Studium an sich bereitete mir viel Freude, ich erhielt viele, neue Eindrücke und ich lernte eben wirklich erstmals Leute kennen, mit denen ich mich verbunden fühlte. Ich hatte sehr viel zu lernen und es war auch nicht alles Zuckerschlecken, aber insgesamt hätte ich es ohne diese neue Umgebung und diese neuen, tollen Leute wohl nicht geschafft, mich wieder zu besinnen. (An dieser Stelle einen herzlichen Dank an das wundervolle »Wonderful World« Team). Tagsüber widmete ich meine gesamte Energie dem Teamprojekt und hatte damit meine Gedanken in dieser Zeit unter Kontrolle beziehungsweise gar keine Möglichkeit in negative Gedanken abzudriften. Ich wusste, dass ich jetzt eine stützende Struktur hatte und in den Zeiten um die Uni herum an allem anderen Baustellen arbeiten musste.

Mini-Gewohnheiten, um Selbstvertrauen aufzubauen

Zuallererst benötigte ich irgendeine Form von kleinen, ersten Erfolg. Mein Selbstbewusstsein war schließlich immer noch im Keller. Und zudem wollte ich testen, was ich aus den Büchern gelernt hatte, die ich mittlerweile verschlungen hatte. Gewohnheiten schienen bei all den Recherchen und den Büchern immer wieder der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Dafür suchte ich mir zunächst das Lernen von Brasilianischen Portugiesisch aus, um meine Morgenroutine mit einer weiteren Gewohnheit aufzupeppen. Ich hatte damals eine Freundin im Internet gefunden, die eben in Brasilien lebte und mit der ich mich irgendwann treffen wollte. Zudem bewunderte ich polyglotte Personen und wollte selbst unbedingt irgendwann eine werden. Außerdem dachte ich, dass ich diese Gewohnheit sehr einfach etablieren könnte.

Morgenroutine: Version 5

— circa 8:40 Uhr aufwachen (mit Snooze teilweise)
— 5 Minuten brasilianisches Portugiesisch lernen
— 5 Bad Routine
— 20 Minuten Frühstück & Recherche
— Hörbuch auf dem Weg zur Uni
Witzigerweise wendete ich dann bereits mehrere der in meinem Buch »Magie der Gewohnheit« beschriebenen Techniken zur Gewohnheitsoptimierung unbewusst an. Ich packte das Brasilianisch Lernen mithilfe der App Duolingo direkt an die Stelle nach dem Aufwachen und vor dem Lesen. Mein Smartphone nutzte ich bis dato sowieso bereits immer für Social Media, dann könnte ich es auch gleich für etwas Sinnvolles verwenden. Außerdem war der Gewohnheit inhärent, dass sie sehr einfach und schnell durchzuführen war mit Hilfe der App. So konnte ich jeden Tag entscheiden, ob ich nur eine Lektion (tatsächliche Dauer: circa zwei Minuten), eine neue Vokabel oder mehrere Einheiten lernen wollte. Schließlich ermöglichte es die Natur der App, dass man auch sofort eine kleine visuelle Belohnung bekam und damit der Antrieb bestärkt wurde, sie am nächsten Morgen wieder zu öffnen.

 

Die Entscheidung zum Lernen mit der App wurde ein voller Erfolg. Ich freute mich jeden Morgen darauf ein Level weiter zu kommen und staunte nicht schlecht, wie mein Wortschatz tatsächlich immer besser wurde. Es gab mir genau den kleinen Erfolg, den ich so dringend benötigt hatte. Dennoch war ich so in das neue Studium eingespannt, dass es bis in das neue Jahr hinein dauern sollte, bis ich wirklich ernsthafte Fortschritte in meinem Leben und in meiner Morgenroutine machte.
Beispielroutinen

Schritt für Schritt anstatt alles auf einmal!

Aber eines darf nicht außer Acht gelassen werden: die ganze Zeit – über Monate hinweg – hörte oder las ich jeden Tag ein wertvolles Buch nach dem anderen, bildete mich in vielen Bereichen weiter und saugte vor allem all die positiven Gedanken auf, die meine schlechten nach und nach verdrängten. Nicht nur auf dem Weg zur Uni, sondern auch teilweise während kognitiv anspruchsloserer Arbeit, abends vor dem Schlafen und zunehmend auch morgens vor dem Frühstück verschlang ich die verschiedensten Bücher – vorrangig jedoch zu den Themen Selbsthilfe, Gesundheit, Finanzen und Businessaufbau. Tony Robbins, Grand Cardone, Dale Carnegie, Napoleon Hill, Russ Harris und viele weitere Experten wurden zu meinen engsten Vertrauten im Geiste. Nicht lang zuvor war ich immerhin noch schwer depressiv und stand nicht vor der Entscheidung, welches Buch ich als nächstes lese, sondern wie ich mein Leben am schnellsten beende. Ein nicht zu verachtender Unterschied, wie ich finde.
Diese Bücher haben mir am meisten geholfen:
Und nicht nur das. Eine richtig starke Veränderung gab es dann doch noch. Ich bekam einen Nebenjob als Game Artist. Das war eigentlich der Punkt schlechthin gewesen, über den ich mir all die Monate und Jahre zuvor den Kopf zerbrochen hatte und keine Ahnung hatte, wie ich es nur jemals anstellen sollte. Und zack. Da war es. Aber der Job kam auch nicht durch blanken Zufall.

 

Irgendwie ist es doch wirklich immer so, dass man nur erntet, was man sät. So war ich am Anfang des Jahres aus reiner Lust am Lernen und auf der Suche nach Erfahrung das erste Mal auf einen Game Jam gegangen – also eine Veranstaltung, an der man in wenigen Stunden (hier ein Wochenende) ein komplettes Spiel entwickelt. Ich ging ganz allein hin, ohne irgendjemanden zu kennen und knüpfte dadurch viele, neue Kontakte. Einer davon war mein damaliger Arbeitgeber, mit dem ich dann noch weiterhin freundschaftlich im Kontakt stand. Irgendwann machte er mir dann aus heiterem Himmel das Angebot, sodass ich neben dem Studium fortan am Wochenende bei ihm arbeitete. Man kann nie wissen, wie sich die Dinge entwickeln, aber man kann durch gute Taten wirklich dafür sorgen, dass das Glück öfter bei einem anklopft.

Gib dir Zeit!

So nutzte ich die erste Zeit sozusagen also als Inkubationszeit für neues Wissen, Erfahrungen und positivere Gedanken sowie um mir mit kleinen Schritten erste Erfolge sichtbar zu machen. Eine Zeit, in der ich emotional heilen konnte, um im Anschluss mit neutralem Blick meine Situation besser einschätzen zu können und wirklich langfristige Lösungen zu finden, die auch nach der Austauschzeit Bestand haben würden. Denn wichtige Entscheidungen sollte man immer nur in einem emotional ausgeglichenen Zustand treffen. Und genau das tat ich. Es dauerte nicht lang, dann war es nur noch eine Woche bis Weihnachten 2017. Ich hatte die Therapie beendet, packte meine Sachen, fuhr in die Heimat und ging zum Termin ins Krankenhaus.


Der Arzt verkündete mir die Hiobs-Botschaft: eine Operation war tatsächlich unumgänglich. Ich hatte das Thema an den Rand meines Bewusstseins geschoben, aber jetzt kam alles wieder hoch. Ok, im März 2018 würde ich mich also operieren lassen. So lange musste ich noch durchhalten und das funktionierte mit den Schmerzmitteln und anderen Vorkehrungen auch bisher ganz gut. Eine angenehme Lebensweise war es allerdings nicht. Meinen Teamkollegen hatte ich weder etwas von meinen physischen noch von meinen psychischen Leiden erzählt. Überhaupt wussten bis jetzt die wenigsten Menschen davon. Ich wollte stark sein und nicht weiter im Tränental versinken. 

Wenn du dich nicht entscheiden kannst, was du willst

Einer der Hauptgründe, warum ich mich überhaupt so verloren gefühlt hatte, war, dass ich nicht wusste, was ich wollte beziehungsweise dass ich mich nicht für eine Sache entscheiden konnte. Wie ich lernte, war ich eine typische Renaissance Seele oder auch ein »Scanner«, der vieles wollte und erst in der Vielfalt der Tätigkeiten aufblühte. Wenn du dich selbst für das Thema interessierst, kann ich dir wärmstens den TED Talk »Why some of us don’t have one true calling« oder das Buch »How to be everything« * von Emilie Wapnick empfehlen.

 

Ich erkannte, dass ich mich gar nicht zwingend für eine Sache entscheiden musste, sondern meinen eigenen Beruf beziehungsweise mein eigenes Lebensmodell erstellen konnte. Nichtsdestotrotz jagte ich viele Hasen und fing am Ende keinen. Deshalb setzte ich es mir zur Aufgabe, die letzten zwei Wochen des Jahres daheim in Ruhe und Geborgenheit erstmal richtig zu entscheiden, welche Ziele ich konkret 2018 angehen würde. Und das nicht im Sinne von hohlen Vorsätzen, sondern strategisch. Ich fühlte mich wie ein Mönch, der im Kloster zur Besinnung kommt. Es war wirklich eine ungemein wertvolle Zeit. Ich nutzte all das Wissen, was ich aus den Büchern und Videos aufgesaugt hatte und brachte es in eine ganz eigene Form.

Erste große Ziele

Konkret schrieb ich erst einmal alle Dinge auf, mochten sie auch noch so übertrieben sein, die ich einmal im meinem Leben erreichen oder erleben wollte. Dann suchte ich mir die heraus, die einerseits zeitliche Priorität hatten, aber auch jene, die sich einfach richtig anfühlten, wie zum Beispiel dass ich 52 Bücher, also ein Buch in jeder Woche lesen oder hören wollte. Diese Ziele brach ich dann in Ziele für verschiedene Lebensbereiche herunter, die ich in kürzeren Zeiten, also mehrere Monate bis zu einem Jahr realisieren könnte. Ich schrieb auch erste Ideen für kurzfristigere Aktionen zum Erreichen dieser Ziele nieder, aber blieb im Großen und Ganzen eher im Blick auf die großen Möglichkeiten.
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Wie du deine Depression heilen bzw. lindern kannst

Vor allem wollte ich auf die Suche nach meiner wahren Berufung und dem großen Sinn in meinem Leben gehen, um nicht wieder in die depressive Spirale zu abzurutschen. Denn so lange mir der Fokus fehlte, so lange würde ich auch Gefahr laufen, ziellos umherzuirren und wieder abzustürzen. Ich begriff, dass ein Hauptgrund für Depression der war, dass man den Lebenssinn in sich allein sucht, anstatt auch die Welt und Menschen um einen herum einzubeziehen. »Was kann ich tun, dass es mir besser geht?« ist ein guter erster Gedanke. Noch wirksamer ist aber: »Was kann ich tun, damit es anderen besser geht?« (Das ist wirklich eine der Haupttechniken, die mir geholfen hat, meine Depression zu heilen).

 

Den gesamten restlichen Dezember tüftelte ich an meinen Listen und Plänen, las weitere Bücher und analysierte auch die Erfolge des Jahres. Es hätte nichts Schöneres geben können. Ich war genau in meinem Element und spürte erstmals wieder eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Kein Wunder, dass mir die Zeit ohne Struktur so zugesetzt hatte, war es doch das, was ich am meisten liebte. Aber es blieb nicht nur beim Planen. Ich leitete auch erste Änderungen direkt ein.

Für Sport ist IMMER Platz!

Zum einen wollte ich unbedingt eine Sport Routine bei mir im Studentenzimmer einführen, um mich von diesem sinnlosen Fitnessstudio Vertrag loszusagen, der nur so vor sich hin gammelte. Ich war ein extremer Sportmuffel, merkte aber durch die Krankheit, meine Energielosigkeit und zunehmende Rückenbeschwerden, dass Sport bitter notwendig war. Aber der Platz war mit 8m² in meinem Zimmer sehr gering. Ich hatte gerade einmal einen schmalen Gang zwischen Tür, Bett und Schreibtisch. Daher schraubte ich die Lehne meines Bettes ab, um es noch weiter in die Ecke schieben zu können und siehe da: kleine Änderungen, große Wirkung. Plötzlich hatte ich circa 2m² freie Fläche zur Verfügung. Genug für eine Yoga Matte und genug für einfache Eigengewichtübungen allemal. »Zu wenig Platz« ist wirklich keine gute Ausrede mehr. So würde ich mit Kündigung des Vertrages ab Mitte des nächsten Jahres zuhause Sport treiben können.

Wie du deine Finanzen unter Kontrolle bringst

Außerdem beschäftigte ich mich das erste Mal richtig mit dem Thema Finanzen. Ich besaß bisher lediglich ein Girokonto und hatte wenig Ahnung davon, wie man überhaupt mit Geld umgeht, geschweige denn Lust mich mit den dazugehörigen Themen auseinanderzusetzen – so wie die meisten, wenn sie die Schule verlassen haben. Doch das Lesen brachte mich wieder einmal weiter. Allen voran Dirk Müllers’ Buch »Cashkurs«.* So richtete ich mir eine Haushaltsapp auf meinem Smartphone ein, in der ich fortan meine Einkäufe beziehungsweise generellen Einnahmen und Ausgaben dokumentierte. Außerdem eröffnete ich ein Tagesgeldkonto, um mein Geld zumindest nicht komplett der Inflation zum Opfer fallen zu lassen. Ich begriff überhaupt erst einmal, wozu ein Tagesgeldkonto gut war und wie wichtig es ist, mit dem Aufbau einer Notfallreserve (circa drei bis sechs Monatsgehälter) zu beginnen, bevor man an weitere Schritte wie das Investieren denkt.

 

Investieren. Noch so ein Thema, was bisher komplett außerhalb meines Horizontes lag. Das konnten doch nur reiche Menschen, oder? Aber wenn ich ein langfristiges Ziel hatte, dass klar war, dann jenes, dass ich mich vom finanziellen Druck befreien wollte. Um all die Sachen zu tun, zu geben und zu erreichen, die ich wollte, würde ich mehr Geld benötigen. Auf kurz oder lang würde ich mich also auch mehr mit dem Thema Investitionen beschäftigen müssen und mir wurde klar, dass man auch mit wenigen Mitteln starten kann (zum Beispiel bereits mit 25€ und einem Comdirect Depot *). Aber eines nach dem anderen. Und erst einmal war das »Was« eben wichtiger als das »Wie«, sodass ich mir auch hohe finanzielle Ziele setzte.
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Zweifel sind bei großen Zielen ganz normal

Insgesamt war die Zeit um Silvester sehr merkwürdig. Einerseits war ich ganz euphorisch und konnte es kaum erwarten, all meine Pläne in die Tat umzusetzen. Andererseits zweifelte ich immer wieder und fragte mich, was ich da eigentlich tat. Wer war ich schon? Als ob ich jemals all die Ziele auf meiner Liste erreichen könnte. Zum Glück kamen mir die gelesenen Biografien meiner neuen Vorbilder in den Sinn. Es ist egal wo man anfängt und wie die Lage aussieht, Hauptsache man beginnt und entwickelt sich von diesem Punkt aus weiter. Ich hatte vielleicht noch kein super Selbstbewusstsein, aber ich wusste, ich war nicht mehr depressiv. Ein kleiner Meilenstein.

 

Und dann war es auch schon so weit. Neujahr 2018. Die erste große Gewohnheitsänderung implementierte ich direkt in meine Morgenroutine. Von nun an wollte ich noch einige Minuten eher aufstehen, also mindestens 8:30, um vor der Uni meine wichtigsten Ziele niederzuschreiben. Dabei änderte ich es erst später zu meinen täglichen Zielen und schrieb am Anfang eher meine Hauptziele im Leben beziehungsweise des Jahres auf, die ich mir vor Silvester definiert hatte. Ich wollte sie so fest in mein Hirn brennen, dass mein Unterbewusstsein nach Wegen zu deren Umsetzung suchen konnte. Außerdem fing ich auch mit den wöchentlichen Reviews an und begann meine Wochen im Voraus zu planen. Wenn es irgendetwas gibt, was bei mir die Veränderung am besten in Gang gesetzt hat, dann war das neben dem Lesen eben jene Zielsetzung. Ich war viel fokussierter und fand viel schneller Lösungen für meine Probleme beziehungsweise überhaupt einmal Wege, um bestimmte Dinge anzugehen, die ich sonst immer für nicht machbar gehalten hatte. Ich formulierte meine Ziele wie Affirmationen. Positiv und in Ich-Form. Zum Beispiel: »Ich werde erfolgreich mit meinen Kursen und helfe damit Tausenden von Menschen.«

Morgenroutine: Version 6

— circa 8:30 Uhr aufwachen (mit Snooze teilweise)
— 5 Minuten brasilianisches Portugiesisch lernen
— 5 Minuten Bad Routine
— 10 Minuten Ziele-Affirmationen aufschreiben
— 20 Minuten Frühstück & Recherche
— Hörbuch auf dem Weg zur Uni
Dabei hatte ich weder Kontakt zu Tausenden von Menschen, noch eigene Kurse, noch Ahnung, wie man einen solchen auch nur ansatzweise erstellt. Nachdem ich jedoch all die tollen Kurse anderer Leute im Jahr zuvor gesehen hatte und gemerkt hatte, wie stark ich mich in den einzelnen Disziplinen verbessert hatte, spürte ich, dass da mehr war. Vielleicht war das der Weg, um meine Liebe für das Lehren und Helfen und für die Kunst zu verbinden. Ich spürte pure Begeisterung allein bei dem Gedanken. Daher setzte ich es als eines meiner Hauptziele des Jahres, testweise einen ersten, eigenen Kurs auf die Beine zu stellen und zu veröffentlichen.

Nutze die Zeit, die du hast

Erst einmal hatte ich jedoch kaum Zeit wegen des Austauschsemesters und der Arbeit. Wir waren jetzt in der »heißen Phase«, in der wir unser Projekt zu Ende bringen mussten. Sprich: so lange an der Uni bleiben, wie möglich und zudem belegte ich auch einige extra Seminare, die mich einfach interessierten und die es so nicht an meiner anderen Uni gab (wie zum Beispiel Concept Art, mein eigentliches Steckenpferd). So blieb wegen Uni und Job eigentlich nur der Morgen für die Arbeit am Kurs. Ich nutzte die Recherche- und Lesezeit, um mich in das gesamte Thema überhaupt einmal einzuarbeiten und merkte schnell, dass ich da ein größeres Fass öffnete.

 

Aber das war es mir wert, weil es sich einfach richtig anfühlte. Ich legte mich auf das Thema Porträtzeichnen fest, weil ich dazu am meisten Erfahrung besaß. Außerdem hatte ich dazu auch bereits ein Projekt 2017 gestartet, was ich allerdings durch das Tief auch nicht weiter verfolgt hatte beziehungsweise immer nur sporadisch: das 1000 Character Portraits Projekt. Ich liebte es, mehrere Dinge zu kombinieren, um auch mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen. So würde ich den Kurs nutzen, um auch dieses Projekt zu einem Abschluss zu bringen. Bis zum Ende des Semester blieb ich meinen bisherigen Gewohnheiten treu und notierte meine Aktionen in meinem Tagebuch fleißig weiter.
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Verlasse dich nicht dauerhaft auf fremde Strukturen

Anfang März war dann alles vorbei. Wir hatten unser Uniprojekt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht und es war Zeit, Abschied zu nehmen. Ich hatte so viel gelernt, wie ich es in meinem gesamten bisherigen Studium nicht vermocht hatte und tolle Stunden mit noch tolleren Menschen verbracht. Das Austauschsemester war einfach in jeder Hinsicht die perfekte Entscheidung gewesen und einige enge Freundschaften sind davon bis heute geblieben. Ich hätte nicht dankbarer sein können und doch hatte ich Angst vor der Zeit, die nun kam. Natürlich hatte ich mich vorbereitet und Überlegungen angestellt, wie ich mir nach dem Semester auch eine ähnliche Struktur in meinen Alltag einführen könnte. Aber Planung und Realität sind nun einmal unterschiedliche Dinge. Vor allem dann, wenn man kurz vor einer Operation steht. 


So packte ich meine Sachen und fuhr zum Rest meiner vorlesungsfreien Zeit in die Heimat, um dort hoffentlich zu genesen. Es waren noch einige Tage bis zur OP, die ich neben meiner Familie und den Katzen meiner Mutter auch mit der Arbeit am Kurs verbrachte. Das Thema stand und ich hatte recherchiert, wie man derartige Kurse am besten aufbaut. So bestand der nächst logische Schritt für mich darin, eine Gliederung und dann das Skript zu schreiben. Es war anstrengend, aber machte mir auch viel Spaß und ich wusste, dass ich Menschen damit helfen würde. 


Einige Tage später hatte ich dann die Operation überstanden. Was hatte ich für eine Panik. Aber alles lief gut, auch wenn ich wesentlich früher von der Vollnarkose aufwachte als geplant und dem Arzt irgendwelchen Stuss im noch benebelten Zustand erzählte. Dennoch: Der Eingriff war überstanden. Jetzt hieß es heilen, weshalb sich mein Tagesrhythmus noch einmal komplett verschob. Die ersten Tage lag ich fast nur im Bett und schlief oft viel länger. Aber nach einer Woche war alles schon viel besser, auch dank meiner liebevollen Mutter, die mir wirklich sehr geholfen hatte. Meine Morgenroutine klappte so natürlich von den Zeiten nicht mehr im vollen Maße, aber ich behielt die Gewohnheiten dennoch in kleiner Form bei. 

Morgenroutine: Version 7

— zwischen 8 und 12 Uhr aufwachen (mit Snooze teilweise)
— kurz: brasilianisches Portugiesisch lernen
— kurz: lesen
— Bad Routine
— Ziele-Affirmationen aufschreiben
— Frühstück & Recherche

Die eigene Struktur definieren

Was jetzt neben der Heilung zählte, war, dass ich mir eine eigene Struktur aufbaute. Eine, die die Leere ersetzte, die das Austauschsemester so gut gefüllt hatte und mein altes Studium nicht bedienen konnte. Gerade wenn ich mich entschied, doch später freiberuflich zu arbeiten, musste ich das unbedingt hinbekommen. Sonst würde alles im Chaos enden. Ich begann damit, meinen Tag in Zeitblöcke einzuteilen, ähnlich wie es auch im Austausch funktioniert hatte. Ich experimentierte viel, aber merkte bald, dass ich in Zwei-Stunden-Blöcken am besten arbeiten konnte und spätestens danach eine Pause benötigte. Zudem nutzte ich die Pomodoro Technik, auf die ich während meinen Recherchen gestoßen war. Dabei arbeitet man in Einheiten von 25 Minuten, worauf jeweils eine kleine Pause folgt. Ich unterteilte meine Zwei-Stunden-Blöcke zusätzlich in diese Einheiten.

 

Gerade zu Anfang, als ich wegen der Operation sowieso nichts anderes tun konnte, schrieb ich deshalb in genau jenen Blöcken das Skript von meinem Bett aus. Allein dieser Schritt dauerte schon gefühlt zehn Mal länger, als ursprünglich angenommen und so sollte es auch mit dem Rest werden. Ich veröffentlichte Teile des Kurses später als Mini-Kurse, aber der komplette Kurs wurde erst 2019 fertig. So ist das oft mit dem Planen: Ein erster Plan ist wichtig. Aber du musst diesen immer wieder anpassen, insbesondere dann, wenn du eine Sache noch nie getan hast.
Beispielroutinen

Die Zeit heilt alle Wunden

Als mein altes Studium dann im April 2019 weiterging, konnte ich mich wieder normal bewegen. Die Operationswunde war noch nicht ganz verheilt, aber sie war auf dem besten Wege und kaum jemand hatte etwas von meinem Aussetzer mitbekommen. Ich arbeitete zwar bereits wieder intensiv, aber ich achtete sehr auf meinem Körper. So eine schlimme Zeit wollte ich definitiv nicht noch einmal durchmachen. Deswegen an dieser Stelle: Höre bitte immer auf deinen Körper! Alles was du ihm heute Schlimmes antust, wirst du später bereuen.

 

Mit festgelegten Arbeitsblöcken, meinem selbst auferlegten Kursprojekt und noch anderen kleinen Zeitmanagement-Kniffen hatte ich mir selbst eine Struktur gegeben. Außerdem hatte ich so viel gelesen und das Gelernte dann in den Recherchezeiten umgesetzt, dass diese kleinen Gewohnheiten bereits erste Erfolge nach sich zogen. Ich hatte unter anderem meine Selbständigkeit beim Finanzamt angemeldet, einen ersten Auftrag nebenbei umgesetzt, mich den Ängsten gestellt, Tonaufnahmen für den Kurs zu erstellen, mich für eine weit entfernte Convention angemeldet und eine Speakerin auf einer Konferenz betreut. Schließlich hatte ich auch die Duolingo App mit Brasilianisch über die Hälfte durchgearbeitet – über 100 Tage in Folge ohne Unterbrechung. Ich war wieder im Rennen, yeah. 

 

Und als erste richtige Amtshandlung verschlang ich dabei das Buch »Miracle Morning« * von Hal Elrod. Das sollte mir den Durchbruch geben. Meine Morgenroutine lieferte zwar schon gute Resultate, aber ich wusste nach all meiner Recherche: Da ging noch viel mehr. Das Buch gab mir die entscheidende Motivation, ohne wirklich neues Wissen zu liefern. Aber letzteres war auch nicht schlimm. Es gab mir den Arschtritt, den ich benötigte. So stand »eher aufzustehen« und danach »Sport treiben« schon länger auf meiner Agenda, weil ich merkte, dass der Morgen einfach der beste Zeitpunkt dafür war und ich mich dann weniger davor drückte als abends. Aber gerade das Aufstehen hatte ich eigentlich nie richtig definiert, sondern ich wachte eben irgendwann auf oder drückte ewig den Snooze-Button, wenn ich nicht gerade früh einen Termin hatte. Damit sollte jetzt Schluss sein. Nach dem Lesen machte ich mich sofort an die Umsetzung und erstellte mir einen ersten, wirklich konkreten Zeitplan für eine Morgenroutine, den ich zuvor nie definiert hatte.

Morgenroutine: Version 8

— 7:45 Uhr aufwachen (ohne Snooze)
— bis 8:00 Uhr Lernen: Brasilianisch & Lesen
— bis 9:00 Uhr Bewegung: Bad Routine + Sport & duschen
— bis 9:30 Uhr Reflektion: Frühstück + Morgenseiten (Ziele & Recherche)

Wie du mit täglichem Sport starten kannst

Jetzt, wo meine Fitnessmitgliedschaft ausgelaufen war (ich war wirklich nur sehr selten noch dort) und in meinem Zimmer nun Platz war dank meiner kleinen Aktion, meldete ich mich in einem ersten Schritt bei Gymondo * an. Meine Recherche hatte mich für diesen Online Fitnessprogramm-Anbieter begeistert und das zu Recht: ab Mitte Mai 2018 trainierte ich von einem Tag auf den anderen bis heute nahezu täglich.

 

Die HIIT Trainingseinheiten waren mit durchschnittlich 10 bis 30 Minuten nicht zu lang, aber dennoch effektiv und ich designte mein Umfeld so, dass ich leichter in die Gewohnheit kommen konnte. Ich erstellte eine sich wiederholende Aufgabe dafür in meinem Kalender, um immer daran erinnert zu werden und ich legte meine Sportkleidung jeweils am Abend zuvor gut sichtbar bereit. Zudem waren die Programme ja neu für mich und sehr toll aufbereitet, sodass ich richtig Vorfreude entwickelte und damit auch gar kein Problem hatte, etwas eher aufzustehen. Für deine eigene Sport-Routine eignen sich neben derartigen Online-Fitnessstudios aber auch wunderbar YouTube-Kanäle mit Sport-Videos wie Mady Morrison. Und bitte erinnere dich: bereits zwei Quadratmeter genügen. Kein Platz zu haben ist eine faule Ausrede!

Strukturiere deine Umgebung
und du strukturierst deinen Geist

Meine Zielaffirmationen wandelte ich, wie bereits erwähnt, in das Schreiben meiner täglichen drei Hauptziele um. Das brachte mir noch besseren Fokus und Struktur. Und auch in meinem materiellen Leben machte ich einen Cut: Ich mistete alles aus und verabschiedete mich von mehr als der Hälfte meiner Sachen. Es war so befreiend, das kannst du dir nicht vorstellen.

 

Die Wochen vergingen und ich experimentierte immer weiter mit meiner Aufwachzeit und den Dingen, die ich in meiner Morgenroutine tun wollte. Aus 7:45 wurde 7:30, dann 6:30, einmal sogar 5 Uhr, weil es eine große Gemeinschaft von Leuten gab, die fest an die Macht dieser Uhrzeit glaubte, aber für mich war das definitiv zu früh. Ich hätte derart früh zu Bett gehen müssen, das hätte ich niemals auf Dauer durchgehalten – sozial gesehen als auch aufgrund meines eigenen Biorhythmus. Also bitte folge auch du nicht blind irgendwelchen Zeiten, sondern finde die für dich passende.

 

Schließlich blieb ich vorerst bei 6:45 hängen und fügte auch eine Dankbarkeitsübung direkt nach dem Aufwachen hinzu. Ich hatte schon öfter von den Vorteilen derartiger Dankbarkeits-Übungen * gelesen und wollte es nun selbst austesten. Es hat so viele positive Effekte, dass ich sie jetzt gar nicht alle auflisten kann (entsprechende Beiträge findest du aber im Blog). Vorrangig wirst du zufriedener und optimistischer, wenn du dir die kleinen Dinge bewusst machst, die du bereits besitzt – egal ob Objekte, Menschen oder Eigenschaften.

 

Mithilfe einer App notierte ich diese Dinge nun täglich oder versuchte es zumindest. Diese Gewohnheit stellte sich als etwas hartnäckiger in der Umsetzung heraus, da mich die App irgendwann langweilte. Heute bin ich auf das »6-Minuten-Tagebuch« * von UrBestSelf umgestiegen.

Morgenroutine: Version 9

— 6:45 Uhr aufwachen (ohne Snooze)
— bis 7:30 Uhr Lernen: Brasilianisch & Lesen
— bis 8:30 Uhr Bewegung: Bad Routine + Sport & duschen
— bis 9:00 Uhr Reflektion: Frühstück + Morgenseiten (Ziele & Recherche)

Experimentiere und lerne aus Fehlern!

 Insgesamt überlegte ich einfach immer wieder, was ich erreichen wollte und wie mir kleine, tägliche Gewohnheiten dabei helfen konnten. So führte ich kurzzeitig in Vorbereitung einer Convention auch eine Skizzenzeit in meine Morgenroutine ein, die ich sonst, wenn überhaupt, nur Abends erledigte. So hatte ich während der Con-Tage originale Zeichnungen vorzuweisen, ohne meine Tagesarbeitszeit dafür aufwenden zu müssen. Allerdings brachte das meine Morgenroutine ordentlich durcheinander, weil ich die Zeiten, die ich zum Skizzieren benötigte, falsch einschätzte. Alles dauerte viel länger als geplant und ich kam ins Schludern. Manchmal stand ich wieder viel später auf oder vernachlässigte andere Aufgaben. Ich hatte mich selbst überfordert. Deshalb verbannte ich die Skizzenzeit nach der Convention auch wieder aus meinem Morgenroutine Katalog, zumindest vorerst.

 

Es fühlte sich gut an, viel zu experimentieren. In meiner »Lernzeit« las ich nun nicht mehr nur, sondern schaute mir auch gezielt wieder Kunstkurse an, während ich teilweise Übungen daraus auch simultan umsetzte. So lernte ich neue Programme wie Zbrush und Adobe XD, die ich wiederum während der Arbeitszeit für Studienprojekte und Arbeitsprojekte nutzte. Ich probierte es auch mit weiteren Affirmationen, merkte jedoch, dass sie nicht das Richtige für mich waren, jedenfalls nicht in der Form, sie mir aktiv aufzusagen. Zettelbotschaften waren da schon besser.

 

In der Recherchezeit erstellte ich mir über mehrere Tage hinweg ein Vision Board oder machte andere Monats-Challenges mit, wie etwa die Minimalismus-Challenge (noch mehr Ausmisten) oder eine eigene Datenerfassungs-Challenge (mal den ganzen Papierkram digitalisieren und ordnen). Über einen kurzen Zeitraum artete meine Routinezeit auch zu fünf Stunden aus, was ich aber schnell wieder verkürzte und irgendwann erstellte ich mit einer »Quick Routine« auch eine Routine-Variante, die ich immer und überall durchführen konnte – sozusagen als Notfallvariante mit kurzen ein bis zehn Minuten Blöcken je Gewohnheit. Das kam mir dann in einem Urlaub sehr zu gute, als ich trotz Jetlag im AirBnB Zimmer in London Sport trieb mit Crunches, Lunges und dergleichen. Oft geht es nicht um die tatsächliche Zeit deiner Routine, sondern darum, dass du sie einfach durchziehst. Denn du wirst Tage haben, an denen du absolut keine Motivation verspürst. Diese Notfallvariante deiner Routine hilft dir dann, im Flow zu bleiben.

 

Meine Depression war nun passé, ich lernte immer mehr und wendete mein Wissen auch gezielt an. So ging ich mit meiner Morgenroutine und den neuen Gewohnheiten kleine aber beständige Schritte hin zu meinen Zielen.

 

3. Stand heute: Ergebnisse &
Meine aktuelle Morgenroutine 2020

2 Jahre später:
Meine Ergebnisse aus täglicher Morgenroutine

Ich habe während der Morgenroutine im besagten Zeitraum über 100 Bücher gelesen und mich damit in allen Lebensbereichen wie beschrieben verändert. Ich entwickelte mich vom Sportmuffel zum täglich trainierenden Sportenthusiast; vom Pessimist zum übenden Optimist; vom jammernden Opfer zum umsetzenden Macher; vom zweifelnden Angsthase zu jemandem, der sich trotz Zweifeln und Ängsten dem Leben stellt und vom unsicheren und depressiven Suizidkandidaten zum Lebensgenießer. Der Weg ist dabei mein Ziel geworden. Alles in allem wurde ich wesentlich stressresistenter, entspannter und gleichzeitig energievoller und kreativer.
 
Mittlerweile habe mein Studium erfolgreich beendet, bin in Vollzeit selbstständig als »The Coaching Artist« (und ein viel besserer Künstler), lehre als Dozentin, bin auf YouTube aktiv, habe meine Ernährung komplett umgestellt, mehrere Projekte abgeschlossen und vieles mehr. Ich verwirkliche einfach nach und nach meine Träume.

 

Und das Beste: Heute weiß ich um die Funktionsweise von Gewohnheiten genaustens Bescheid und kann sie jederzeit viel schneller und effizienter zu meinem Vorteil nutzen.
 
Deshalb habe ich schließlich aus all meinen Erfahrungen und dem Gelernten mein Buch »Magie der Gewohnheit – In drei Schritten Ziele setzen und erreichen für Kreative« geschrieben, welches am 1.6.2020 erscheint. Denn ich möchte, dass auch andere ihr Leben mithilfe von Gewohnheiten positiv verändern. Ich möchte ganz konkret, dass du nicht all das durchmachen musst, was ich durchmachen musste. Du sollst schneller an dein Ziel kommen und dafür habe ich das System in meinem Buch entwickelt.

 

Ich bin dabei kein Übermensch und all die tollen top CEOs und Stars da draußen auch nicht. Aber durch den Einsatz der Gewohnheiten werde ich der Mensch, der ich sein will. Und das kannst du auch. Du hast bereits eine Morgenroutine und mag sie nur aus Aufstehen, Zähneputzen und Frühstücken bestehen. Aber es liegt an dir, was du sonst noch daraus machst. Wenn du Veränderung willst, kannst du sie auch bewirken. Ich hoffe, das ist dir nun bewusst.
Beispielroutinen

Meine aktuelle Morgenroutine 2020

Wie du gelesen hast, habe ich meine Routine und Gewohnheiten immer wieder verändert. So wie du dich entwickelst, so musst du auch deine Routinen entwickeln. Ich führe zum Beispiel nach wie vor meine Morgenroutine aus, allerdings in einer neuen Version. Manche Dinge haben sich komplett geändert, manche sind geblieben. Zum Beispiel schaue ich nun oft Online-Kurse anstatt Bücher zu lesen und lerne andere Dinge als Sprachen. Durch die Selbstständigkeit und meine WG musste ich meinen Schlaf-Rhythmus auch noch einmal ändern und habe jetzt viel mehr eine Morgen- und Abendroutine.

Morgenroutine: Version 10

— 7:20-8:00 Uhr aufwachen (ohne Snooze) & Dankbarkeit
— bis 8:30 Uhr Lernen: Bücher oder Kurse
— bis 9:15 Uhr Bewegung: Bad Routine + Sport & duschen (+ teilweise Meditation)
— entweder bis 10:00 Uhr Frühstück, Recherche, Reflektion & Tagesziele aufschreiben + Morgenseiten (Ziele & Recherche)
— oder bis 9:30 nur föhnen & Tagesziele definieren (bei frühen Terminen oder freier Mitarbeit)
Ich bin mir sicher, dass dies nicht die letzte Version meiner Morgenroutine gewesen sein wird und ich diese immer wieder ändern werden muss. Wichtig ist: Höre auch du auf deine Bedürfnisse und passe deine Routine immer wieder entsprechend an. Nur du kannst wissen, was du gerade brauchst. Deshalb ist es wenig sinnvoll, einfach zu übernehmen, was du bei anderen siehst. Sieh meine Routine-Listen hier deshalb als Inspiration und bilde dir deine eigene Meinung.

 

4. Zusammenfassung: Tipps für deine eigene Morgenroutine

Wie du am besten anfängst

Wenn es nur eine Sache gibt, die ich dir für deine Morgenroutine raten dürfte und wirklich keine andere, dann wäre es folgende: Mach es dir zur Gewohnheit, jeden Morgen deine Ziele reflektiert aufzuschreiben. Nimm dir jeden Morgen zwei bis zehn Minuten Zeit und schreibe dir auf, welche Ziele du in deinem Leben erreichen möchtest und welche drei Schritte du dabei bereits heute unternehmen kannst. Oder definiere einfach deine drei Tagesziele, wenn du bereits klarer definierte Ziele hast.

 

Eines steht jedoch fest: Fang mit dieser kleinen Sache an und dadurch allein wirst du schon große Veränderungen bewirken. Du wirst fokussierter und schneller das bekommen, was du möchtest. Und dabei gibt es keine Ausrede. Diese zwei bis zehn Minuten kann jeder finden, wenn er oder sie nur will.
Beispielroutinen

5 Tipps für deine Morgenroutine

1. Kleine Schritte, große Wirkung

Auch wenn ich mich wiederhole: Denke in kleinen Schritten. Versuche nicht alles auf einmal zu tun, sonst überforderst du dich und gibst auf! Fange mit einer Gewohnheit an und wiederhole sie mindestens einige Wochen, bevor du deine Morgenroutine erneut änderst.

2. Lesen als Einstieg

Neben dem täglich Ziele Setzen ist das Lesen sicherlich die Gewohnheit, die mir die meisten Erfolge und positiven Änderungen beschert hat. Wenn du also überlegst, welche Gewohnheit du als Nächstes aufbauen solltest, denke in Richtung Weiterbildung. Wie lernst du am besten? Du kannst zum Beispiel auch nur YouTube-Videos oder Kurse schauen – so wie es für dich passt. Erst einmal ist es jedenfalls wichtig, dass du Wissenslücken schließt und Lösungen für deine Probleme findest, die du dann wiederum in Form von Gewohnheiten implementieren kannst.

3. Vergleiche dich nur mit dir selbst!

Ja, wirklich. Es bringt nichts sich mit jemanden anderem zu vergleichen. Du bist du und hast deine ganz eigenen Erfahrungen, Werte und Fähigkeiten. Ein Vergleich mit anderen Personen führt unweigerlich zu Neid und Unzufriedenheit oder einem fremdbestimmten, überhöhten Selbstbewusstsein. Deshalb schaue immer, was du gestern, vor einer Woche oder vor einem Jahr getan hast und vergleiche dich nur damit – mit dir selbst! Oft sind deine Erfolge viel größer als du denkst. Das hält deine Motivation viel besser aufrecht.

4. Experimentiere so viel wie nötig

Es kann sein, dass du mehrere Anläufe brauchst, um die für dich passenden Zeiten und Gewohnheiten für deine Morgenroutine zu finden. Gib nicht vorschnell auf. Lies gern noch einmal meine Geschichte. Dann wirst du sehen, dass auch ich viel Zeit gebraucht habe, um das für mich passende Modell zu finden und auch jetzt noch ändere ich Dinge. Bleibe also nicht starr, sondern reflektiere immer wieder, was dich weiter bringt und was nicht und passe deine Routine entsprechend an.

5. Keine Ausreden!

Wenn du jetzt immer noch denkst: »Ach für eine Morgenroutine habe ich keine Zeit«, dann bedenke bitte: bereits zwei bis zehn Minuten pro Gewohnheit oder für eine einzige Gewohnheit können genügen, um deinen Tag positiv zu starten und langfristig große Veränderungen zu bewirken. Denke nur an meine 5 Minuten Braslianisches Portugisisch. Innerhalb von einem Jahr beherrschte ich alle Grundlagen der Sprache.
Beispielroutinen
Und wenn du jetzt immer noch denkst »Nein, ich habe wirklich keine Zeit«, dann habe ich hier noch ein abschließendes Beispiel für dich, das dich hoffentlich vom Gegenteil überzeugt:

 

Barack Obama, ja genau, der ehemalige US-Präsident, steht grundsätzlich immer zwei Stunden vor seinem ersten, offiziellen Tagestermin auf. Dabei bleiben sowohl sein Smartphone als auch sonstige Medien- oder Nachrichtenquellen außer Reichweite, sodass er sich voll auf sein Ritual konzentrieren kann. Dieses besteht zum größten Teil in einem Cardio- und Gewichttraining, dass er sechs Mal pro Woche für 45 Minuten betreibt. Bevor der Ex-Präsident sich also um das Land oder andere kümmert, tut er erst einmal etwas für seine eigene Gesundheit. Anschließend frühstückt er in aller Ruhe mit seiner Familie. Er sagt zu seiner Morgenroutine: »Mein restlicher Tag ist sehr viel produktiver, wenn ich meiner morgendlichen Routine gefolgt bin«. Und diese Routine führte er auch bereits zu Amtszeiten aus.

 

Wenn es also einer der beschäftigsten Männer der Welt trotz Familie und zahlreichen Verpflichtungen geschafft hat und auch noch immer schafft, früher aufzustehen und Zeit für sich selbst zu nehmen, warum dann nicht auch du? Findest du einen Weg oder findest du eine Ausrede?
PS: Wie du deine Morgenroutine mit konkreten System entwickelst, wie du weitere Gewohnheiten optimal änderst oder aufbaust und wie genau du überhaupt deine Ziele im Leben findest, kannst du ab dem 1.6.2020 in meinem Buch »Magie der Gewohnheit« nachlesen. Darin zeige ich dir in drei einfachen Schritten alles, was du brauchst, um Ziele in deinem Leben zu setzen und zu erreichen.

Sag mir deine Meinung!

Hast du eine Morgenroutine? Wie sieht diese aus?

 

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Über die Autorin

Sandra Süsser – The Coaching Artist

Ich schaffe Kunst und helfe gleichzeitig anderen kreativen Menschen, ein ganzheitlich erfolgreiches und glückliches Leben zu führen.

Kommentare

2 Kommentare

  1. Ich habe mich gerade gefragt, wie viele Zeichen dein Blogeintrag wohl haben mag.
    In den seltensten Fällen habe ich so lange mit anhaltender Aufmerksamkeit einen Eintrag/Artikel gelesen ohne mit den Gedanken abzuschweifen oder mich zu langweilen.
    Es hat sich – im positiven Sinne – fast wie eine Kapitel aus der Belletristik gelesen. Durch das Storytelling erhalten die Fakten, Beispiele und Verweise einen Zusammenhang und sind emotional greifbarer. Aus dem Was folgt das Warum und Wie. Toll!

    Auch aus diesem Bogbeitrag konnte ich mir wieder einige persönliche Notizen übernehmen. Den TED Talk »Why some of us don’t have one true calling« habe ich komplett angeschaut (der Gedanke vom Multipotentialist war mir neu und hat in mir ein neues Aha-Erlebnis ausgelöst) und auch viele Bücher habe ich mir notiert, die ich definitiv lesen möchte.
    Ich finde es einfach großartig, wenn man die Möglichkeit erhält, Empfehlungen von anderen zu erhalten. Es gibt so viele großartige Menschen und deren Bücher etc. mit großartigen Gedanken und Statements auf der Welt, die oftmals nur von wenigen Menschen entdeckt/gehört/gelesen werden.

    Ich denke, dass es vielen Menschen sehr schwer fällt, diesen einen ersten Schritt zu wagen, um aus seinem eigenen unroutinierten „Trott“ herauszukommen, denn das ist meines Erachtens der schwierigste Schritt. Es erfordert Willenskraft, sich zu entscheiden und dann aber auch mit seiner Entscheidung zu leben! So wie es bei dir der Wendepunkt war: Entweder A oder B.
    Von nichts kommt nichts. Und ich finde es hervorragend, wie du deutlich machst, dass es nicht auf die Quantität ankommt, sondern auf die Qualität und das step by step. Dieser erste wichtige Schritt kann schon allein das Lesen deines Blogbeitrags sein, oder das Lesen eines Buchs oder der Besuch einer Vorlesung zum Thema xy. Denn sobald man sich mit den motivierenden, erfolgsversprechenden, aber immer auch sachlichen/realistischen und mit Beispielen und Tipps bestückten Inhalten auseinandersetzt, beginnt bereits die Veränderung im eigenen Geist (wenn man sich denn auch dafür öffnet). Es gibt den bekannten Spruch: „Gedanken sind der Anfang unserer Taten.“ Und genau das ist es, was dadurch angestoßen wird. Man bricht aus seinen eigenen Gedankenstrukturen aus und bekommt von anderen Personen neue Wege aufgezeigt. Nichts anderes machen bspw. Psychologen. Sie können deine Probleme nicht lösen, dir jedoch Wege aufzeigen, sodass du dir selbst helfen kannst.

    Nachdem ich mich nun intensiver mit dem Begriff „Routine“ auseinandergesetzt habe, erscheinen mir viele meiner Aktivitäten in meinem Leben logischer, sprich: Ich kann alles nun besser im Zusammenhang sehen. Ich habe es schon immer geliebt morgens früh aufzustehen und das am besten immer zur selben Uhrzeit, auch am Wochenende. Das hat mir Routine und das Gefühl gegeben, meinen Tag nicht „unkontrolliert“ starten zu lassen.
    Und auch die nachfolgenden Aktivitäten wie Duschen, Frühstückessen etc. waren immer im gleichen Ablauf und zur ähnlichen Uhrzeit. Nur habe ich nun, durch das Lesen deiner Beiträge, noch klarer vor Augen, was ich in meinen Routinen noch verbessern könnte. Ich habe verstanden, welche Stellschrauben es noch gibt, die man vorher gar nicht so wahrgenommen hat.

    Was mich vor allem inspiriert hat, ist deine 5-minütige Morgenroutine des Sprachenlernens. Ich kämpfe schon mein Leben lang mit meinem „Handycap“ nicht gut Englisch lesen, schreiben und vor allem sprechen zu können. Bislang hat es mich nie wirklich negativ im Privat- oder Berufsleben betroffen, doch ich merke immer wieder, wie es mich innerlich einschränkt und mein Selbstvertrauen diesbezüglich blockiert. Und oftmals war der Gedanke da, Englisch zu lernen, doch die nötige Zeit war nie wirklich vorhanden. Du zeigt prägnant mit deinem Beispiel, dass es geht und nur wenige Minuten am Tag braucht. 🙂

    Was ich bedenkenlos unterschreiben kann, ist dein Ratschlag Lesen zur Gewohnheit zu machen. Ich lese seit einigen Monaten nun deutlich mehr Fachzeitschriften, Fachbücher und auch Belletristik. Und es macht wirklich etwas mit einem. Man schwimmt mental nicht mehr nur in seiner „eigenen Gedankenbrühe“, sondern erhält immer wieder neuen Input, der das eigene Gedankenkonstrukt um Bausteine und Verknüpfungen untereinander erweitert. Ich bin immer voller Euphorie, wenn ich neue Gedanken und auch Allgemeinwissen aus einem Buch für mich mitnehmen konnte.

    Welchem Ratschlag/Gedankenanstoß ich ebenfalls völlig zustimmen kann, ist „deine Umgebung zu strukturieren, um somit deinen Geist zu strukturieren.“ Ich befürworte die Ordnung im Leben. Sei es der Arbeitsplatz, die digitale Datenablage, das Email-Postfach, Notizen oder so simple Dinge, wie der Kühlschrank oder der Kleiderschrank. Es macht einfach Platz im Kopf für andere (wichtigere) Dinge. Auch hierzu ein passendes Zitat: „Der Kluge häuft sein Wissen an, der Weise sortiert es!“ (italienische Schriftsteller Alberto Moravia) 😉

    Ich könnte wahrscheinlich noch Stunden weiter meinen Kommentar füllen und in einen Dialog mit deinen Inhalten treten.

    Fazit: Ich habe den ersten wichtigen Schritt bereits getan und nutze nun deine Beiträge dazu auch meine Ziele und Routinen klarer zu definieren, um sie in Tat umsetzen zu können.

    Antworten
    • Woah. Da hast du ja fast selbst einen kleinen Roman geschrieben. 😀 Herzlichen Dank abermals für deinen ausführlichen und lieben Kommentar, Sandy 🙂

      Zu deiner Frage: Es sind ziemlich genau 8300 Worte (wow, so viel hätte ich jetzt auch nicht gedacht haha). Es freut mich sehr, dass du diesen Schwall an Text nicht nur ausgehalten, sondern genossen hast und deinen Nutzen daraus ziehen konntest.

      Ich glaube tatsächlich, dass viel mehr Menschen »Scanner« sind, als bisher statistisch erhoben sind. Dazu werden auf jeden Fall auch noch Blog Beiträge folgen.

      Ebenfalls bin ich ganz deiner Meinung, was Empfehlungen anbelangt. Es wird meist nur von den negativen Dingen berichtet und Stellung bezogen. Ist man zufrieden, wird viel seltener ein Kommentar dagelassen. Das möchte ich ändern.

      Ich freue mich sehr, dass du mehr Motivation und Klarheit gewinnen konntest :).

      Antworten

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