Künstler-Interview mit Jana Schirmer – Ihre kreative Routine

Lesezeit: 8 Minuten
Als Bonus zu meinem Buch »Magie der Gewohnheit« habe ich meine Vorbilder in Sachen digitaler Kunst angeschrieben und ihnen diverse Fragen zu ihren eigenen Routinen und ihrem kreativen Schaffen gestellt. Von 17 Künstlern habe ich eine Rückmeldung erhalten.
 
Auch die fantastische Jana Schirmer hat sich die Zeit genommen und mir geantwortet.
Kurze Künstler-Beschreibung

 

Jana ist eine deutsche Illustratorin und Concept Artist und bekannt für ihren malerisch-semi-realistischen Zeichenstil. Derzeit arbeitet sie für die Marvel Studios in Amerika.
Anschließend findest du ihre Antworten als Auszug aus meinem Buch und zur Inspiration für deinen eigenen kreativen Weg.

Interview mit Jana Schirmer

Jana Schirmer Porträt

1. Frage = Wie sieht deine tägliche Routine als Künstler aus? Welche Routinen tragen zu deinem Erfolg als Mensch und als Künstler bei?

»Ich habe heute im Berufsleben weniger eine Routine als damals, als ich am Anfang meiner Karriere stand. Ich stehe meistens auf, mache mir einen Tee fertig, fange an mit E-Mails beantworten und dann mache ich mich eigentlich schon an die Arbeit. Je nachdem, ob gerade ein Tag ist, wo ich viel zu tun habe oder wenig, schaut es anders aus. Gerade beim Freelancen kann es ja sein, dass man einen Tag viel zu tun hat und am nächsten dann gleich wieder nichts. Die Tage können sehr unterschiedlich sein. Ich habe das Gefühl, dass ich am Anfang meiner Karriere, so Anfang 20, extrem motiviert war, um als Concept Artist durchzustarten. Ich habe alles getan, um richtig gut zu werden.


Jetzt sind mir eben auch zunehmend andere Sachen im Leben wichtig. Im Vergleich zu damals bin ich heute eine ziemlich faule Socke. Damals bin ich 6 Uhr aufgestanden, habe 2-3 Studien erstellt und dann versucht, das Ganze aus dem Kopf zu malen, damit es hängen bleibt. Danach ging es mit normalem Zeichnen bis zum Mittagsessen weiter und danach wieder weiter. Im Prinzip habe ich den ganzen Tag gemalt. Das war sehr gut, um Fortschritte zu machen, aber dadurch habe ich mir leider auch eine richtig üble Sehnenscheidenentzündung geholt. Da hätte ich mehr auf mich achten sollen. Andererseits hat mir die Zeit enorm viel gebracht. Ich habe dadurch Jobs gefunden und extrem viel gelernt. Heute denke ich, dass ich es nicht mehr unbedingt nötig habe, da ich jetzt sehr happy damit bin, wo ich stehe. Routine hat keine Priorität mehr.«

2. Frage = Wenn du nur eine grundlegende Fähigkeit nennen könntest, die Künstler jeden Tag trainieren sollten, welche wäre das und wie?

»Das Künstlerleben kann ja sehr weitreichend sein. Ob man jetzt Concept Artist ist, Illustratorin so wie ich, oder Tattoo Artist oder dergleichen. Man braucht verschiedene Fähigkeiten. Das Schöne ist: Man hat viele Freiheiten. Egal, was man studiert, man kann auf jeden Fall irgendeinen Nutzen daraus für die Kunst ziehen. Deswegen würde ich gar nicht sagen, dass es nur eine Fähigkeit gibt, die man unbedingt trainieren sollte. Man hat immer Beispiele, dass Künstler total aus der Reihe tanzen und trotzdem erfolgreich sind. Ich würde mich nicht darauf festlegen.

 
In dem Bereich, was ich mache, würde ich sagen, die Basics (die ich auch einmal wieder mehr trainieren sollte): Form, Farbe, Licht – die Standardsachen, die man eigentlich können sollte. Wovon ich persönlich immer am meisten gelernt habe, war die Natur. Selbst wenn man jetzt zum Beispiel stilisierte Arbeiten macht, kann man aus der Natur sehr viel lernen. Mir haben dabei Studien und Stillleben sehr geholfen. Als ich mit dem Zeichnen angefangen habe, habe ich mich sehr von Manga inspirieren lassen und da habe ich irgendwann gemerkt, dass ich mit der Stilisierung nicht weiter gekommen bin. Egal, welchen Manga ich kopiert habe. Deswegen habe ich angefangen, realistischer zu arbeiten. Selbst, wenn du dann stilisiert arbeiten möchtest, ist es dann viel einfacher, weil du die Grundlagen kennst. Du musst wissen, wie die Dinge funktionieren, bevor du sie stilisierst. Von der Realität an sich kann jeder Künstler viel lernen.


Wie man sowas lernt? Stilleben haben mir wie gesagt sehr geholfen. Einfach ein paar Dinge vor den PC stellen und dann versuchen diese aus verschiedenen Lichtsituationen zu malen. Am Anfang sieht das immer nicht so gut aus, aber je mehr man übt, desto besser wird es, desto mehr formen sich konkrete Bilder. Oder Menschen in der Bahn zeichnen und Aktzeichnen. Es geht einfach darum, so viel wie möglich zu zeichnen. Übung macht den Meister. Das sagt man so oft, aber es stimmt eben auch einfach.«

3. Frage = Verwendest du Kreativitätstechniken zum Generieren von neuen Ideen? Wenn ja, welche?

»Wenn ich sowas benutze, dann wohl nicht bewusst. Ich weiß nicht, ob es eine Technik ist, aber auch etwas, womit ich leider erst recht spät beim Zeichnen angefangen habe: Thumbnails benutzen! Wenn du eine Idee hast, mach erst einmal verschiedene Skizzen davon. Es klingt banal, aber damals habe ich die erstbeste Idee genommen und umgesetzt. Aber oft ist es einfach besser, verschiedene Dinge erst einmal auszuprobieren und die Idee aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Mehr Zeit in Referenzenrecherche und einfach die erste Phase der Ideenfindung investieren. Ich kann mich außerdem noch an etwas erinnern: Ich war in einer Sketch Group mit Freunden und wir haben zusammen Comics erstellt. Dabei bestand ein Comic jeweils aus drei Panels und jeder musste ein Panel zu einer zusammenhängenden Geschichte auszeichnen. Das war eine super Übung, um die Kreativität anzuregen. «
jana schirmer buch Auszug

Mehr Informationen

Hier findest du weitere Links zu der Arbeit von Jana:
Wenn du noch mehr Künstler-Interviews und generell zur Gewohnheitsoptimierung als Künstler lesen und lernen möchtest, schau dir gern mein Buch »Magie der Gewohnheit – In drei Schritten Ziele setzen und erreichen für Kreative« an. Hier kannst du dir eine kostenlose Leseprobe zum Thema »Ziele finden« herunterladen.

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