Was du in 30 Tagen zeichnerisch erreichen kannst
Viele Menschen überschätzen, was sie an einem einzigen Tag schaffen können und gleichzeitig unterschätzen sie völlig, was in 30 Tagen möglich ist – gerade beim Zeichnen.
Denn Fortschritt entsteht selten durch einen magischen Geistesblitz oder einen einzigen langen Zeichentag. Er entsteht durch viele kleine Einheiten, die sich mit der Zeit aufsummieren.
Deshalb möchte ich dir heute anhand verschiedener Praxisbeispiele zeigen, was in nur einem Monat tatsächlich möglich ist. 🙂
Was du in 30 Tagen zeichnerisch erreichen kannst
1) Beispiel: Zeichen-Challenge
Eine der einfachsten Möglichkeiten, in kurzer Zeit Fortschritte zu machen und eine gute Routine aufzubauen, ist eine Zeichen-Challenge.
Denn sie nimmt dir viele Entscheidungen ab und macht es leichter, regelmäßig zum Stift zu greifen. Aus einem großen Ziel wie »Ich möchte besser zeichnen« werden plötzlich 30 (oder eine andere beliebige Anzahl) kleine, überschaubare Aufgaben.
Echter Fortschritt entsteht selten durch einzelne Motivationsschübe, sondern eben durch viele derartig kleine Zeichnungen, die sich mit der Zeit summieren.
Ich selbst habe kürzlich auch einmal wieder an einer Zeichen-Challenge teilgenommen und für die »Bisafans Favorite Challenge« 18 Skizzen zu meinen Lieblings-Pokemon zu jedem Typ erstellt.
Dabei habe ich vor allem meine Perspektive-Grundlagen an organischen Motiven trainiert und vertieft. Besonders auf die extrem verkürzte Sichlor Skizze und die lockere Hydropi Skizze bin ich sehr stolz.
Am Ende konnte ich deutlich schneller organische Formen perspektivisch erfassen und verschiedene Varianten schneller skizzieren – ein Skill, der mir dauerhaft weiterhelfen wird.
Und jedes Werk hat nur zwischen 20 Minuten und 1,5 Stunden Zeit pro Tag gekostet. An manchen Tagen habe ich an anderen Zeichenprojekten gearbeitet, aber insgesamt sind die Skizzen für die Challenge so in ca. einem Monat entstanden.
Aber nehmen wir an, du zeichnest jeden Tag nur 30 Minuten. Das klingt zunächst nicht nach viel. Doch nach 30 Tagen hättest du damit bereits 15 Stunden gezeichnet.
15 Stunden konzentrierte Übung können bedeuten:
15-30 Portraitskizzen
- 30-100+ Hände
- 7-30 Tiere
- 7-30 Character-Designs
- 30 Perspektive-Studien
Ideen für weitere konkrete Challenges habe ich dir bereits in einem anderen Blog Post zusammengestellt.
Was du in 30 Tagen zeichnerisch erreichen kannst
2) Beispiel: Eigenes Projekt
Doch nicht jeder mag Challenges. Manche Menschen möchten nicht jeden Tag ein neues Motiv zeichnen, sondern lieber über mehrere Wochen an einem einzigen größeren Projekt arbeiten.
Vielleicht möchtest du lieber endlich die Illustration zeichnen, die schon seit Monaten auf deiner Ideenliste steht. Oder den eigenen Comic beginnen. Oder eine Charakterserie für dein Portfolio erstellen.
Ein eigenes größeres Projekt könnte bedeuten:
endlich die Illustration zeichnen, die schon seit Monaten auf deiner Ideenliste steht
- den eigenen Comic beginnen und Seite 1 fertig zeichnen
- eine Charakterserie für dein Portfolio erstellen
- ein Skizzenbuch füllen
Ideen für weitere persönliche Kreativ-Projekte habe ich dir hier zusammengestellt.
Und auch damit lässt sich in nur 30 Tagen erstaunlich viel erreichen.
Eine meiner liebsten größeren Illustrationen aus dem letzten Jahr ist beispielsweise genau so entstanden: »The Short King« – ein Fan Art zu Levi aus Attack on Titan.
Allein die Konstruktion der Skizze mit starker Weitwinkel-Perspektive hat viele Stunden in Anspruch genommen und entstand genau so wie die finale Ausarbeitung nicht an einem einzigen Nachmittag, sondern über mehrere Zeichensessions hinweg – immer zwischen 10 Minuten bis zu 2 Stunden pro Tag.
Das komplette Making Of / den Zeichenprozess des Werkes findest du übrigens im TV-Archiv meiner S-Art School (exklusiv für Mitglieder).
Insgesamt habe ich rund 24 Stunden an dem Werk gearbeitet – verteilt auf etwa einen Monat. Schritt für Schritt, nicht im Sprint, sondern im Marathon wurde aus einer ersten Skizze eine fertige Illustration.
Und genau so entstehen die meisten größeren Kunstwerke. Nicht an einem einzigen perfekten Wochenende, sondern durch viele kleine Zeichensessions, die sich über Tage und Wochen hinweg summieren.
Wenn du jeden Tag nur ein wenig Zeit investierst, kannst du nach 30 Tagen oft deutlich weiter sein, als du heute glaubst.
Was du in 30 Tagen zeichnerisch erreichen kannst
3) Beispiel: Kurs-Arbeit
Challenges und eigene Projekte können großartige Möglichkeiten sein, um Fortschritte zu machen. Doch nicht jeder möchte seine Lernziele selbst planen.
Vielleicht kennst du das Problem: Du möchtest besser zeichnen lernen, weißt aber nicht genau, welche Fähigkeiten du zuerst lernen solltest, welche Übungen sinnvoll sind oder wie du deine Zeit am besten einteilst.
In solchen Fällen kann ein strukturierter Kurs helfen. Statt selbst einen Lernplan erstellen zu müssen, kannst du dich Schritt für Schritt durch die Inhalte arbeiten und deine Zeit vollständig auf das Zeichnen konzentrieren.
Wie weit du dabei in 30 Tagen kommst, hängt natürlich davon ab, wie viel Zeit du investieren kannst.
Hier aber zur Orientierung einige Beispiele anhand meiner eigenen Kurse und Studenten:
10 Minuten pro Tag
Selbst mit nur 10 Minuten täglich kannst du in einem Monat bereits das komplette Zeichner-Kit durcharbeiten. Damit verschaffst du dir einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen des Zeichnenlernens und erhältst einen klaren Plan für die nächsten Schritte.
Viele meiner Studenten wie Enrico, Erkan, Susanne oder Alexis haben das bereits genau so geschafft.
30 Minuten pro Tag
Mit etwa 30 Minuten täglich kannst du das Zeichner-Kit abschließen und zusätzlich bereits große Teile von »Zeichnen lernen Teil 1 – Strichführung« bearbeiten. Viele Studenten sind überrascht, wie viel Fortschritt bereits durch kurze, aber regelmäßige Einheiten entsteht.
Ein schönes Beispiel dafür ist mein Student Tobias (Lume), der die Zeichenübungen aus »Zeichnen lernen Teil 1 – Strichführung« ebenfalls in ungefähr einem solchen Tempo bearbeitet hat und seine Strichführung deutlich verbessern und erste richtige Zeichnungen erstellen konnte.
Das komplette Studenten-Interview von ihm zum Kurs und weitere seiner Werke findest du hier.
1 Stunde pro Tag
Mit einer Stunde täglich kannst du sowohl das Zeichner-Kit als auch »Zeichnen lernen Teil 1« vollständig absolvieren oder einen oder mehrere große Abschnitte von »Zeichnen lernen Teil 2 – Sehen lernen« schaffen.
Damit hast du bereits die erste wichtige Grundlage des Zeichnens gemeistert oder eine weitere wichtige (das Sehen) begonnen und kannst auf dieser Basis weitere Fähigkeiten aufbauen.
Mein Student Rainer arbeitete beispielsweise über einen Monat hinweg den Abschnitt zur Formtechnik in »Zeichnen lernen Teil 2 – Sehen lernen« durch und hat dabei gleich mehrere tolle Kunstwerke erschaffen und seine Zeichenfähigkeiten in Sachen Proportionen erfassen und übertragen massiv ausgebaut.
Das komplette Studenten-Interview von ihm zum Kurs und weitere seiner Werke findest du hier.
Egal, wie viel Zeit du am Ende aber investierst: Alle drei Beispiele zeigen etwas Wichtiges: Die größten Fortschritte entstehen selten an einem einzigen Tag. Sie entstehen, wenn man über Wochen hinweg immer wieder auftaucht und weiterzeichnet.
Was du in 30 Tagen zeichnerisch erreichen kannst
Wo wirst du in 30 Tagen stehen?
Stell dir vor, du beginnst heute. Nicht perfekt und nicht motiviert bis in alle Ewigkeit, sondern einfach nur mit dem Entschluss, die nächsten 30 Tage dranzubleiben.
Wo könntest du dann stehen? Vermutlich deutlich weiter, als du heute glaubst. Und genau deshalb lohnt es sich, heute anzufangen.
Falls du jedoch Schwierigkeiten hast, regelmäßig zu zeichnen oder Projekte wirklich zu Ende zu bringen, solltest du dir einmal mein Zeichner-Kit PLUS ansehen.
Darin geht es nicht um Perspektive, Anatomie oder andere Zeichenregeln. Sondern darum, wie du genau eine solche nachhaltige Zeichenroutine aufbaust, typische Hindernisse überwindest und langfristig am Ball bleibst.
Denn die meisten scheitern nicht daran, dass sie zu wenig Talent haben oder dass sie nicht wissen, was sie üben müssten. Sondern daran, dass sie es nicht regelmäßig tun und nach einer Woche wieder aufhören.
Sie zeichnen drei Tage. Machen dann eine Pause. Und starten nie wieder richtig. Deshalb ist Regelmäßigkeit wichtiger als Perfektion. 30 Minuten täglich schlagen fast immer einen einzigen Acht-Stunden-Marathon am Wochenende.
Also starte noch heute! Fang lieber unvollkommen an als gar nicht! 😉
Über die Autorin
Sandra Süsser – The Coaching Artist
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