Wie Social Media deine Kreativität zerstört und süchtig macht [1/3]
„Ich habe keine Zeit.“
Diesen Satz höre ich immer wieder, egal ob es ums Zeichnen, 3D, Lesen oder ein anderes Hobby geht. Ich glaube allerdings, dass Zeitmangel häufig gar nicht das eigentliche Problem ist.
Denn Erwachsene verbringen heute mehrere Stunden täglich vor Bildschirmen und einen erheblichen Teil davon auf Social Media.
Doch Social Media kostet nicht nur Zeit, sondern verändert auch deine Psyche. Sie beeinflusst deine Aufmerksamkeit, Motivation, Vergleichsverhalten und damit die Voraussetzungen, die wir für kreative Hobbys benötigen.
Ich schreibe das bewusst als Künstlerin. Obwohl ich Social Media selbst beruflich genutzt habe, habe ich Plattformen wie Instagram inzwischen weitgehend den Rücken gekehrt. Nicht, weil Social Media grundsätzlich schlecht ist, sondern weil ich gemerkt habe, welchen negativen Einfluss es auf mich hat und wie sehr es mich davon abhält, das zu tun, was ich eigentlich tun möchte: Kunst erschaffen.
Mit diesem Artikel möchte ich dich deshalb nicht davon überzeugen, dein Smartphone sofort zu verschrotten und wie ein Eremit komplett auf Social Media zu verzichten.
Ich möchte dich dazu bringen, deine Social-Media-Nutzung ehrlich zu hinterfragen und – wenn möglich – deutlich zu reduzieren. Denn sehr wahrscheinlich kostet sie dich weit mehr als nur ein paar Stunden Zeit.
Diese Blogreihe
Teil 1: Wie Social Media deine Kreativität zerstört und süchtig macht (Du bist hier)
Teil 2: Social Media Sucht überwinden: Mein 4-Schritte-System ➡️
Teil 3: (folgt noch)
Gliederung
- Wie wir Social Media unterscheiden sollten
- Social Media lässt dich mehr konsumieren als erschaffen
- Social Media erschwert dir den Einstieg in kreative Hobbys
- Social Media raubt dir kreative Leerräume
- Social Media belastet deine Psyche
- Warum Willenskraft bei Social Media allein oft nicht reicht
- Zusammenfassung
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Wie wir Social Media unterscheiden sollten
Bevor wir uns mit den Problemen von Social Media beschäftigen, sollten wir kurz klären, was ich in diesem Artikel überhaupt mit Social Media meine. Denn Social Media ist nicht gleich Social Media.
Streng genommen zählt nämlich auch dieser Blog zu Social Media. Du kannst meine Beiträge lesen, kommentieren, teilen und mit mir oder anderen Lesern darüber diskutieren. Genau wie in Foren oder auf Discord entstehen Inhalte nicht nur durch den Autor, sondern auch durch die Community. Diese Dinge definieren Social Media. Ein Blog ist damit sozusagen eine der ursprünglichen Formen von Social Media.
Trotzdem denken die meisten Menschen bei Social Media sofort an Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook und genau diese Unterscheidung ist wichtig.
Denn die entscheidende Frage lautet aus meiner Sicht nicht:
Ist eine Plattform Social Media?
Sondern:
Wann wird Social Media „problematisch“?
Jede Technologie kann sinnvoll oder problematisch genutzt bzw. missbraucht werden. Ein Hammer kann ein Haus bauen oder eine Fensterscheibe einschlagen. Ähnlich verhält es sich mit Social Media.
Problematisch wird eine Plattform meiner Meinung nach dann, wenn ihre Interessen dauerhaft über den Interessen der Nutzer stehen. Anders ausgedrückt: Wenn sie so konzipiert ist, dass sie möglichst viel deiner Aufmerksamkeit binden möchte – auch dann, wenn dir das langfristig eher schadet als nützt.
Dabei spielen vor allem drei Dinge eine Rolle:
1) Suchtverhalten fördernde Elemente, etwa endlose Feeds, Shorts oder ständig neue Benachrichtigungen, die dich möglichst lange auf der Plattform halten sollen.
2) Fehlende bzw. nicht ausreichende Moderation von Inhalten, sodass sich Hassrede, Falschaussagen und andere schädliche Inhalte leicht verbreiten können.
3) Algorithmische Auswahl von Inhalten, durch die Beiträge nicht mehr chronologisch oder nach Suche ausgegeben werden, sondern nach Wahrscheinlichkeit, wie sehr sie deine Emotionen beeinflussen und dich dadurch länger auf der Plattform halten. Kurz: Manipulation deiner Aufmerksamkeit.
Je stärker diese Mechanismen ausgeprägt sind, desto eher wird aus einem hilfreichen Werkzeug ein Produkt, das um deine Aufmerksamkeit konkurriert.
Warum ich Blogs & co. anders bewerte
Genau deshalb ordnen viele Menschen Blogs, klassische Foren oder Discord intuitiv anders ein als Instagram oder TikTok.
Dieser Blog verfolgt zumindest den Anspruch, dir wenige, gut recherchierte Inhalte anzubieten, die ein klares Ende haben. Du liest einen Artikel, nimmst etwas mit und entscheidest anschließend selbst, was du als Nächstes tun möchtest. Kommentare werden moderiert und du bestimmst selbst, welche Kategorien oder Beiträge dich interessieren.
Instagram oder TikTok funktionieren dagegen häufig genau umgekehrt. Dort entscheidet in erster Linie der Algorithmus, welche Inhalte du siehst. Nach jedem Beitrag wartet bereits der nächste. Das Ziel besteht nicht darin, dass du den Bildschirm wieder schließt, sondern möglichst lange weiterscrollst. Du wirst als Individuum nicht respektiert. Du bist lediglich das Produkt.
Natürlich gibt es auch dort hervorragende Inhalte und viele großartige Creator. Das Problem liegt deshalb weniger bei den Menschen, die Inhalte erstellen, sondern bei der Art, wie die Plattformen aufgebaut sind.
Eine wichtige Einschränkung
Trotzdem gilt: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich.
Manche verbringen problemlos zwanzig Minuten auf Instagram und legen das Handy wieder weg. Andere verlieren dort regelmäßig mehrere Stunden. Umgekehrt kann auch Discord oder ein Forum für manche Menschen zur Ablenkung werden.
Ich persönlich komme zum Beispiel mit YouTube sehr gut klar, kann mich bewusst dafür und dagegen entscheiden. Bei Instagram hingegen fühle ich mich wie eine Marionette, die sich kaum mehr unter Kontrolle hat.
Es geht deshalb nicht darum, Plattformen pauschal als gut oder schlecht einzuordnen. Entscheidend ist, wie sie dein eigenes Verhalten beeinflussen. Die Wahrscheinlichkeit ist nur eben höher, dass Plattformen mit diesen problematischen Eigenschaften dies tun.
Mach also gleich einmal eine erste Bestandsaufnahme: Welche Plattformen nutzt du aktuell und bei welcher hast du selbst das Gefühl, dass sie dir mehr nimmt als gibt?
Natürlich ist das alles zunächst sehr allgemein formuliert. Wenn ich im weiteren Verlauf dieses Artikels von „Social Media“ spreche, meine ich daher immer die problematische Form, wie sie oben beschrieben wurde. Schauen wir uns nun ihre größten Auswirkungen – insbesondere auf kreative Menschen – einmal genauer an.
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Social Media lässt dich mehr konsumieren als erschaffen
Kreativität bedeutete früher vor allem eines: selbst etwas zu erschaffen. Heute verbringen viele von uns deutlich mehr Zeit damit, die Kreativität anderer Menschen zu konsumieren.
Wir schauen Speedpaints, speichern Bilder auf Pinterest oder Instagram und bewundern fertige Kunstwerke. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Inspiration kann unglaublich wertvoll sein. Problematisch wird es erst, wenn Konsum das eigene Schaffen ersetzt.
Frag dich deshalb einmal ehrlich: Auf wie viele Kunstwerke, Videos oder Beiträge anderer Menschen folgt bei dir ein eigenes Werk? Ich vermute, dieses Verhältnis ist bei den meisten erschreckend unausgeglichen.
Schau außerdem einmal auf deine Bildschirmzeit. Nutzt du Social Media durchschnittlich nur eine Stunde pro Tag, summiert sich das im Laufe eines 80-jährigen Lebens bereits auf über 30.000 Stunden – also mehr als drei Jahre.
Drei Jahre, in denen du auch an deinen eigenen Träumen hättest arbeiten können.
30.000 Stunden reichen aus, um außergewöhnlich gut zeichnen zu lernen, mehrere Fremdsprachen zu beherrschen, tausende Bücher zu lesen oder mehrere zu schreiben, unzählige Kunstwerke zu erschaffen oder mehrere Instrumente zu lernen. Stattdessen investieren viele von uns diese Zeit in den Konsum der Werke anderer.
Und die meisten Menschen verbringen deutlich mehr als eine Stunde täglich auf Social Media. Bei mir waren es beispielsweise an manchen Tagen sogar mehr als drei Stunden und das hat mir definitiv die Augen geöffnet.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Der Konsum von kreativem Content kann sich schnell wie Lernen anfühlen. Nach einer Stunde Tutorials oder Zeichenvideos hat man oft das Gefühl, viel gelernt zu haben. Tatsächlich zeigen Lernforscher seit Jahren, dass wir passives Lernen häufig überschätzen.
Wirkliches Lernen entsteht vor allem dann, wenn wir selbst aktiv werden und das Gelernte anwenden – also tatsächlich zeichnen, statt nur anderen dabei zuzusehen. [1]
Inspiration sollte der Anfang kreativer Arbeit sein. Für viele ist sie inzwischen zu ihrem Ersatz geworden.
Frag dich deshalb nun: Führt Social Media tatsächlich dazu, dass du mehr erschaffst und lernst – oder hauptsächlich dazu, noch mehr zu konsumieren?
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Social Media erschwert dir den Einstieg in kreative Hobbys
Der größte Schaden von Social Media besteht meiner Meinung nach jedoch nicht einmal in der verlorenen Zeit. Viel problematischer ist das, was dadurch häufig gar nicht erst passiert.
Vielleicht kennst du das selbst: Du möchtest eigentlich zeichnen, lesen oder an einem eigenen Projekt arbeiten. Bevor du überhaupt anfängst, öffnest du „nur kurz“ Instagram oder TikTok. Eine Stunde später bist du immer noch dort. Danach fühlst du dich vielleicht unruhig, leer oder sogar leicht angespannt. Der Gedanke, jetzt etwas Kreatives zu tun, wirkt plötzlich überraschend anstrengend.
Genau diese Erfahrung habe ich selbst immer wieder gemacht. Nicht nur beim Zeichnen, sondern auch beim Lesen. Obwohl ich wusste, dass mir beides langfristig deutlich mehr gibt als eine weitere Stunde Social Media, fiel mir der Einstieg plötzlich viel schwerer. Heute glaube ich, dass dahinter mehr steckt als mangelnde Disziplin.
Aus meinen Analyse-Statistiken weiß ich zum Beispiel auch, dass selbst diesen kurzen Blog-Artikel nur die wenigsten vollständig lesen werden. Die meisten sind nicht mehr dazu in der Lage, zusammenhängende Texte zu lesen ohne direkt abgelenkt zu werden und ihren Fokus zu verlagern. Wie steht es mit dir? Bist du hier noch am konzentrierten Lesen oder hast du nebenbei einen anderen Browser-Tab mit einem laufenden Video offen oder das Handy gezückt? Wenn ja, leg all das einmal beiseite und lies weiter. Dein Gehirn wird dir danken. (Ausnahme ADHS. Aber auch dann gilt: Springe nicht zwischen vielen Dingen hin und her, sondern hab gern Musik oder einen ähnlichen Hintergrundreiz aktiv, aber leg deinen Fokus jetzt auf das Lesen.)
Social Media nimmt uns also nicht nur Zeit. Es erschwert oft auch den Einstieg in genau die Tätigkeiten, die uns langfristig guttun würden.
Kreative Hobbys belohnen uns meist erst später. Eine gute Zeichnung entsteht selten in wenigen Minuten. Ein Buch liest sich nicht von allein. Und ein Instrument beherrscht man nicht nach einer Übungseinheit. Der größte Teil der Belohnung entsteht erst, nachdem wir eine gewisse Zeit konzentriert an einer Sache gearbeitet haben.
Social Media funktioniert genau umgekehrt. Jede neue Benachrichtigung, jeder Like und jeder weitere Beitrag liefert innerhalb weniger Sekunden einen neuen Reiz. Dadurch gewöhnt sich unser Gehirn an schnelle Belohnungen und verliert leichter die Geduld für Tätigkeiten, deren Erfolg erst später sichtbar wird.
Auch die Forschung weist inzwischen in diese Richtung. Mehrere Studien zeigen, dass intensive Social-Media-Nutzung mit stärkerer Ablenkbarkeit, geringerer Aufmerksamkeit und schwächerer Impulskontrolle zusammenhängen kann. [2]
Gleichzeitig zeigen Studien, dass soziale Belohnungen wie Likes oder neue Inhalte unser Belohnungssystem aktivieren. Dadurch können sie mit Tätigkeiten konkurrieren, deren Belohnung erst deutlich später eintritt – etwa Zeichnen, Schreiben oder Musizieren. [3]
So entsteht ein Teufelskreis: Weil der Einstieg ins Hobby schwerfällt, greifen wir lieber wieder zum Smartphone. Das verschafft uns kurzfristig eine schnelle Belohnung – macht den nächsten Einstieg aber oft noch schwieriger.
Diese Verschiebung deines Dopamin-Levels wirkt sich übrigens nicht nur auf deine Hobbys aus, sondern kann jegliche Herausforderung in deinem Leben schwerer machen – egal ob beim Sport, konzentrierten Arbeiten oder in Beziehungen. Für die wirklich wichtigen Dinge in deinem Leben fällt es dir zunehmend schwerer, Motivation aufzubringen, wenn dein Gehirn ständig an schnelle Belohnungen gewöhnt ist.
Natürlich ist dieses Forschungsfeld noch vergleichsweise jung und längst nicht jede Studie kommt zu denselben Ergebnissen. Trotzdem müssen wir nicht immer darauf warten, dass uns Wissenschaftler erklären, wie wir uns fühlen. Manchmal reicht es, das eigene Verhalten ehrlich zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen.
Beobachte dich einfach einmal selbst. Wie oft wolltest du heute eigentlich zeichnen, lesen oder an einem Projekt arbeiten – und wie oft hast du stattdessen zuerst dein Smartphone geöffnet? Vielleicht verrät dir diese ehrliche Beobachtung mehr über deine Gewohnheiten als jede Statistik.
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Social Media raubt dir kreative Leerräume
Es gibt noch einen weiteren Effekt von Social Media, über den meiner Meinung nach viel zu selten gesprochen wird.
Früher gab es im Alltag viele kleine Momente, in denen einfach nichts passierte. Wir warteten auf den Bus, saßen im Wartezimmer, standen an der Kasse oder schauten einfach aus dem Fenster. Heute greifen wir in genau diesen Momenten fast automatisch zum Smartphone.
Langeweile ist für viele Menschen etwas geworden, das möglichst sofort beseitigt werden muss. Dabei ist sie keineswegs nur etwas Negatives.
Gerade wenn unser Gehirn einmal nicht permanent mit neuen Reizen beschäftigt ist, beginnt es, Gedanken miteinander zu verknüpfen. Wir erinnern uns an Dinge, entwickeln neue Ideen oder finden plötzlich Lösungen für Probleme, über die wir schon länger nachdenken.
Vielleicht kennst du das selbst. Die besten Ideen entstehen oft unter der Dusche, beim Spazierengehen oder kurz vor dem Einschlafen – also genau dann, wenn unser Gehirn nicht permanent mit neuen Reizen beschäftigt ist.
Ich merke das inzwischen sogar an meinem Schlaf. Wenn ich mir tagsüber bewusst kleine Leerräume gönne statt Social Media (z. B. Arbeitspausen ohne irgendetwas zu tun oder nur kurz Wasser holen), schlafe ich abends deutlich ruhiger ein. Fehlen diese Momente dagegen, habe ich oft das Gefühl, dass mein Gehirn erst im Bett beginnt, den ganzen Tag nachzuarbeiten. Plötzlich schießen mir Ideen, Gedanken und To-do-Listen durch den Kopf und das Einschlafen fällt mir deutlich schwerer.
Deshalb versuche ich inzwischen, möglichst viele schnelle Dopaminreize wie Social Media bewusst eher auf den Abend zu legen (wenn überhaupt) und meinem Gehirn tagsüber immer wieder kleine Ruhephasen zu geben. Das funktioniert natürlich nicht immer, hat mir persönlich aber geholfen.
Auch die Forschung weist in diese Richtung. Kreative Einfälle entstehen häufig im Wechsel zwischen konzentrierter Arbeit und Phasen, in denen unsere Gedanken frei schweifen dürfen. Solche sogenannten Inkubationsphasen können kreatives Denken fördern. Wenn jedoch jede kleine Pause automatisch mit Social Media gefüllt wird, verschwindet genau dieser mentale Freiraum.[4]
Natürlich geht es nicht darum, niemals wieder aufs Handy zu schauen. Die Frage ist vielmehr: Muss wirklich jede freie Minute mit neuen Inhalten gefüllt werden? Vielleicht braucht dein Gehirn gar nicht noch mehr Input, sondern weniger Input und etwas mehr Ruhe.
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Social Media belastet deine Psyche
Es war noch nie so einfach, sich mit anderen zu vergleichen wie heute – egal ob beim Aussehen, Besitz oder als Künstler.
Mit wenigen Klicks sehen wir perfekte Zeichnungen, beeindruckende Skizzenbücher, wunderschöne Ateliers und aufwendig produzierte Timelapses. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ich selbst schaue mir unglaublich gern die Arbeiten anderer Künstler an – aber mittlerweile in Maßen. Und genau das ist der entscheidende Unterschied.
Das Problem ist nämlich: Wir vergleichen unsere Realität mit den Highlights tausender Menschen. Wir sehen das fertige Kunstwerk, aber nicht die hunderten misslungenen Skizzen davor. Wir sehen das perfekt eingerichtete Atelier, aber nicht den jahrelangen Weg dorthin. Wir sehen zehn Sekunden eines Timelapses, aber nicht die vielen Stunden Arbeit dahinter.
Selbst wenn uns das alles logisch bewusst ist, verändert dauerhafter Konsum unsere Wahrnehmung trotzdem auf emotionaler Ebene.
Genau deshalb hatte ich früher häufig das Gefühl, nie gut genug zu sein. Egal wie viel ich zeichnete – irgendwo gab es immer jemanden, der besser war. Hinzu kam der ständige Druck, möglichst geeigneten Content mit der Kamera zu erzeugen.
Das hat mir oft die Freude am Zeichnen genommen, weil ich ständig die perfekten Bilder anderer Künstler und die spätere Produktion für den Algorithmus im Kopf hatte statt meiner eigenen Ideen. Weg vom Prozess und immer mehr Fokus auf ein schnelles Resultat. Doch gut und schnell passt nicht zusammen. Qualität braucht Zeit.
Rückblickend glaube ich, dass mich dieser ständige Vergleich und Zeitdruck deutlich mehr ausgebremst als motiviert hat. Ein bisschen Inspiration ist gut. Das Problem ist nur: Social Media kennt keine gesunden Grenzen.
Auch die Forschung weist inzwischen auf diesen Zusammenhang hin. Menschen vergleichen sich auf Social Media häufiger mit scheinbar erfolgreicheren oder talentierteren Personen. Solche aufwärtsgerichteten Vergleiche gehen im Durchschnitt mit einer geringeren positiven Selbstbewertung und einem niedrigeren Wohlbefinden einher.[5][6]
Darüber hinaus finden viele Studien Zusammenhänge zwischen einer intensiven Social-Media-Nutzung und häufiger auftretenden Angst- und Depressionssymptomen. Das bedeutet nicht, dass Social Media allein diese Probleme verursacht. Es zeigt jedoch, dass ständiger Vergleich und permanenter Konsum weit über das Selbstbewusstsein hinausgehen und unsere psychische Gesundheit insgesamt belasten können.
Für kreative Hobbys kann das besonders problematisch sein. Wer sich nach dem Scrollen schlechter fühlt als vorher, beginnt seltener, hält kürzer durch und bewertet die eigenen ersten Lernschritte deutlich härter.
Vielleicht solltest du dir deshalb eine einfache Frage stellen: Vergleichst du dich gerade mit dem heutigen Ich von jemand anderem – oder mit dessen zehn Jahren Erfahrung? Denn jeder Künstler, den du heute bewunderst, musste irgendwann genau dort anfangen, wo du heute stehst. Der Unterschied ist nur, dass du diesen Anfang heute nicht mehr siehst.
Vermeide es deshalb möglichst, direkt vor dem kreativen Arbeiten die Bilder anderer Künstler zu konsumieren. Gib deinen eigenen Ideen zuerst eine Chance.
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Warum Willenskraft bei Social Media allein nicht reicht
Vielleicht fragst du dich inzwischen: Warum fällt es eigentlich so schwer, einfach wieder aufzuhören? Die Antwort ist einfach: Weil problematische Social Media genau dafür entwickelt wurde.
Wie bereits erwähnt, setzen viele Plattformen bewusst auf Endlos-Feeds, Likes, Benachrichtigungen und algorithmische Empfehlungen, um unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Das Ziel ist nicht, dass wir zufrieden die App wieder schließen, sondern dass wir möglichst oft zurückkehren.
Diese Mechanismen ähneln in vielerlei Hinsicht einem Glücksspielautomaten. Man weiß nie genau, wann der nächste besonders interessante Beitrag erscheint. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht sie so wirkungsvoll und kann suchtähnliches Verhalten fördern.
Im schlimmsten Fall endet das nicht bei einem unvollendeten Skizzenbuch. Problematische Social Media kann sich zu einer Sucht entwickeln, die Schlaf, Beziehungen, Beruf, Gesundheit und letztlich das gesamte Leben beeinträchtigt.
Suchtmechanismen sind häufig stärker als unsere Motivation.
Warum ich problematischer Social Media den Rücken gekehrt habe
Ich weiß inzwischen, dass ich persönlich besonders anfällig dafür bin, mich in Social Media zu verlieren. Für mich war das deshalb nicht einfach nur eine schlechte Angewohnheit, sondern tatsächlich eher eine Sucht, die mein Leben über Jahre hinweg spürbar beeinträchtigt hat. Ich war weniger kreativ, schlief schlechter, ließ mich ständig ablenken und hielt mich sogar selbst von meiner Arbeit als Selbstständige ab.
Das Verrückte daran: Eigentlich nutzte ich Social Media, um meine Kunst sichtbar zu machen und neue Teilnehmer für meine Kurse zu gewinnen. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass mir die Plattformen insgesamt mehr genommen als gegeben haben.
Auch die Forschung deutet inzwischen darauf hin, dass Social Media kreative Hobbys meist nicht direkt verdrängt, sondern über mehrere Mechanismen: Es nimmt Zeit in Anspruch, fragmentiert Aufmerksamkeit und erschwert Selbstregulation – ähnlich wie andere Süchte. Genau diese Kombination macht es wahrscheinlicher, dass wir gar nicht erst mit kreativen Tätigkeiten beginnen oder sie schneller wieder abbrechen.[7]
Und ich denke, das müssen noch viel mehr Menschen erkennen. Denn ich höre häufig das Argument: „Aber auf Social Media gibt es doch auch hilfreiche Inhalte.“ Und das stimmt. Natürlich gibt es dort großartige Künstler, inspirierende Menschen und wertvolles Wissen. Doch genau wie bei anderen Süchten rechtfertigen einzelne positive Aspekte nicht automatisch den dauerhaften Konsum. Einem Alkoholkranken würden wir schließlich auch nicht sagen: „Naja, wenn dir Alkohol auch schöne Momente verschafft, musst du doch nicht ganz darauf verzichten.“ Nein. Wer merkt, dass eine Plattform das eigene Leben spürbar verschlechtert, sollte diese Ausnahmen nicht nutzen, um die eigentlichen Probleme kleinzureden, sondern ehrlich hinterfragen, ob der Preis nicht längst zu hoch geworden ist.
Deshalb habe ich mich bewusst dafür entschieden, Plattformen wie Instagram weitgehend hinter mir zu lassen und stattdessen andere Wege zu nutzen, um Menschen auf meine Arbeit aufmerksam zu machen – über meine Website, diesen Blog, YouTube (optimiert) oder meinen Newsletter. Ich möchte lieber Inhalte erschaffen, die Menschen inspirieren, selbst kreativ zu werden, statt sie noch eine Stunde länger scrollen zu lassen. Für mich persönlich war das eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre.
Wer trägt die Verantwortung?
Leicht war dieser Schritt allerdings nicht. Das Problem ist nämlich nicht, dass wir zu undiszipliniert wären. Ich bin beispielsweise ein ziemlich disziplinierter Mensch, aber auch ich hatte starke Probleme.
Das Problem ist eher: Wir treten als einzelne Menschen gegen Systeme an, die seit Jahren genau darauf optimiert werden, unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Tausende Entwickler, Designer, Psychologen und inzwischen auch künstliche Intelligenz arbeiten daran, diese Plattformen immer fesselnder zu machen.
Gerade junge Menschen sind dabei besonders gefährdet. Ihr Gehirn befindet sich noch in der Entwicklung und reagiert besonders empfindlich auf schnelle Belohnungen. [8] Umso nachdenklicher macht mich, dass viele ehemalige Entwickler großer Technologieunternehmen ihre eigenen Kinder nur sehr eingeschränkt oder gar nicht an genau die Produkte lassen, die sie selbst mitentwickelt haben. [9] Wenn selbst Menschen aus der Branche vor den Auswirkungen ihrer eigenen Technologien warnen, sollten wir das ernst nehmen.
Natürlich trägt jeder Mensch Verantwortung für seinen eigenen Medienkonsum. Gleichzeitig sollten wir aufhören, mangelnde Disziplin als persönliches Versagen zu betrachten. Wenn Millionen Menschen dieselben Schwierigkeiten mit denselben Plattformen haben, liegt das Problem wahrscheinlich nicht nur bei den Nutzern, sondern auch im Design der Plattformen selbst.
Deshalb müssen wir langfristig auch die Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung nehmen. Es kann nicht sein, dass Technologien entwickelt werden, deren wirtschaftlicher Erfolg davon abhängt, möglichst viel unserer Lebenszeit zu konsumieren und dabei bewusst psychologische Schwächen auszunutzen.
Vielleicht solltest du dir deshalb zum Abschluss nur eine einzige Frage stellen: Möchtest du Plattformen unterstützen, deren Erfolg davon abhängt, dass du möglichst viel Lebenszeit konsumierst oder möchtest du deine Zeit lieber in Dinge investieren, die dein eigenes Leben und das anderer Menschen langfristig bereichern?
Oder noch kürzer: Möchtest du in erster Linie Aufmerksamkeit erzeugen oder etwas erschaffen, das Menschen langfristig weiterbringt? Für mich liegt genau darin der Unterschied zwischen kurzfristigem, oft schnell vergessenem Content und nachhaltiger Kreativität.
Empfohlene Medien zum Thema
Abschließend hier einige Medien, die mir das Ausmaß des Social Media Problems bewusster und verständlicher gemacht haben und auch dir weiter helfen können:
🎬 1) The Social Dilemma – eine großartige Netflix Dokumentation, die von Mitentwicklern von einigen Netzwerken erstellt wurde, die sich mittlerweile gegen ihre Entwicklungen aussprechen. Der größte Teil des Films handelt von Problemen durch Social Media, am Ende werden aber auch konkrete Lösungen gegeben.
📖 2) Die Dopamin-Nation * – ein Buch, welches die Bildung und Auswirkungen von Süchten generell behandelt – mit Beispielen zu Social Media – und zeigt, wie man sich von diesen Süchten lösen kann. Es startet mit einer ziemlich heftigen realen Geschichte, die aber später sehr gute Veranschaulichungen gibt.
📖 3) Abgelenkt * – ein Buch, welches speziell über unsere digitale Welt und Social Media handelt, aber auch darüberhinaus Lösungen zu unserem gesellschaftlichen Aufmerksamkeitsproblem und individuellem Konzentrationsproblem gibt. Insbesondere für Eltern und Lehrer eine extrem gute Lektüre.
Meiner Meinung nach alles Pflichtlektüren in der heutigen Zeit.
Wie Social Media deine Kreativität zerstört
Zusammenfassung
Hoffentlich verstehst du jetzt besser, warum Social Media auch deine Kreativität zerstören bzw. ihr zumindest schaden kann und warum ich manche Plattformen deutlich kritischer sehe als andere.
Das Problem ist für mich nicht, dass jede Social-Media-Plattform grundsätzlich schlecht ist. Das Problem sind Plattformen, deren Geschäftsmodell darauf basiert, möglichst viel Aufmerksamkeit zu verkaufen und die genau die Voraussetzungen angreifen, auf die kreative Hobbys angewiesen sind.
- Es verleitet uns dazu, mehr zu konsumieren als selbst zu erschaffen.
- Es erschwert den Einstieg in kreative Tätigkeiten.
- Es nimmt unserem Gehirn die Ruhe, in der neue Ideen entstehen.
- Es bringt uns ständig dazu, uns mit den Highlights anderer Menschen zu vergleichen.
- Und es kämpft mit ausgeklügelten Mechanismen jeden Tag um unsere Aufmerksamkeit. Im schlimmsten Fall werden wir psychisch krank und süchtig.
Jeder einzelne dieser Effekte mag für sich genommen klein erscheinen. Zusammen können sie jedoch dazu führen, dass wir immer seltener das tun, was uns eigentlich glücklich, kreativ und erfüllt macht.
Ich glaube deshalb nicht, dass die meisten Menschen zu wenig Zeit für ihre Hobbys haben. Ich glaube vielmehr, dass viele ihre Zeit und Aufmerksamkeit unbewusst an Systeme verschenken, die davon profitieren, dass wir möglichst lange konsumieren, statt selbst etwas zu erschaffen.
Natürlich musst du Social Media deshalb nicht komplett aus deinem Leben streichen. Aber vielleicht lohnt es sich, die eigene Nutzung einmal ehrlich zu hinterfragen und zu reduzieren. Nicht für Instagram oder TikTok – sondern für dich selbst.
Denn am Ende stellt sich nur eine einzige Frage: Möchtest du die Kreativität anderer konsumieren oder deine eigene leben?
Wie geht es in der Reihe weiter?
Vielleicht fragst du dich jetzt: Wenn ich Social Media reduzieren oder sogar ganz damit aufhören möchte – wie schaffe ich das überhaupt?
Genau darum geht es im nächsten Teil dieser Blogreihe.
Dort zeige ich dir die Strategien, mit denen ich persönlich problematisches Social Media hinter mir gelassen und einen deutlich gesünderen Umgang mit digitalen Medien gefunden habe – ohne nach wenigen Wochen wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Ergänzt wird das Ganze durch wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Tipps für den Alltag.
Was statt Social Media tun?
Wenn du die Zeit, die du bisher mit Scrollen verbracht hast, wieder in deine eigene Kreativität investieren möchtest, begleite ich dich dabei gerne.
Mit der S-Art School Mitgliedschaft erhältst du einen klaren Lernweg, regelmäßige Zeichenübungen, eine motivierende Community und Feedback, damit aus Motivation eine nachhaltige Zeichenroutine wird.
Du bist dir noch unsicher? Dann starte kostenlos mit dem Zeichner-Kit und finde heraus, wie viel du bereits mit wenigen Minuten täglicher Zeichenpraxis erreichen kannst.
Fußnoten
[1] (Passives vs. aktives Lernen) —
Bjork, R. A., Dunlosky, J., & Kornell, N. (2013). Self-regulated learning: Beliefs, techniques, and illusions. Annual Review of Psychology, 64, 417–444.
[2] (Aufmerksamkeit, Ablenkbarkeit, Impulskontrolle)
Siebers, M., Beyens, I., Pouwels, J. L., van Driel, I. I., Keijsers, L., & Valkenburg, P. M. (2022). Social media and distraction: An experience sampling study of adolescents‘ attention in daily life. Media Psychology, 25(5), 757–786.
[3] (Belohnungssystem, Likes, schnelle Reize)
Sherman, L. E., Payton, A. A., Hernandez, L. M., Greenfield, P. M., & Dapretto, M. (2016). The Power of the Like in Adolescence: Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 27(7), 1027–1035.
[4] (Kreative Inkubation, Mind-Wandering)
Baird, B., Smallwood, J., Mrazek, M. D., Kam, J. W. Y., Franklin, M. S., & Schooler, J. W. (2012). Inspired by Distraction: Mind Wandering Facilitates Creative Incubation. Psychological Science, 23(10), 1117–1122.
[5] (Soziale Vergleiche, Wohlbefinden, Selbstbewertung)
Irmer, J., & Schmiedek, F. (2023). (Tagebuch-/Experience-Sampling-Studie zu Social-Media-Nutzung, aufwärtsgerichteten Vergleichen und Wohlbefinden bei Jugendlichen.)
[6] (Meta-Analyse: Aufwärtsgerichtete Vergleiche auf Social Media)
Irmer A., Schmiedek F. (2023) Meta-Analyse experimenteller Studien zu upward social comparison und deren Auswirkungen auf Selbstbewertung und Emotionen
[7] (Zeitverdrängung, Aufmerksamkeit, Selbstregulation)
Nagata, J. M., et al. (2025). Longitudinal associations between social media use and attention, cognition, and youth development.
Ergänzend: Leonhardt, M., et al. (2024). Systematic review on social media, attention, and self-regulation.
[8] (Jugendliche, Gehirnentwicklung, soziale Belohnungen)
Crone, E. A. & Konijn, E. A. (2018). Media use and brain development during adolescence. Nature Communications, 9, 588. Übersichtsarbeit zur Gehirnentwicklung im Jugendalter und zur erhöhten Sensitivität gegenüber sozialem Feedback sowie der noch andauernden Entwicklung von Selbstkontrolle.
Ergänzend: Sherman, L. E., et al. (2016). The Power of the Like in Adolescence: Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 27(7), 1027–1035. fMRT-Studie zu Likes als sozialer Belohnung und deren Einfluss auf das Belohnungssystem Jugendlicher.
[9] (Ehemalige Tech-Entwickler warnen vor Social Media)
The Social Dilemma (2020). Netflix-Dokumentation mit ehemaligen Führungskräften und Entwicklern u. a. von Google, Facebook, Twitter und Pinterest, die vor den Auswirkungen sozialer Medien warnen und berichten, dass sie den Zugang ihrer eigenen Kinder zu diesen Plattformen bewusst einschränken.
Ergänzend: Harris, T. (Center for Humane Technology). Interviews und Vorträge zur manipulativen Gestaltung sozialer Medien und deren Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Kinder und Jugendliche.
Über die Autorin
Sandra Süsser – The Coaching Artist
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Schöner Artikel. Ich habe ihn vollständig gelesen und als wertvoll befunden. Selbst nach einem leseintensiven Tag Bildschirmarbeit, der mich für gewöhnlich vom Lesen in der Freizeit abhält.
Das ist eine Thematik, über die mehr Menschen nachdenken sollten. Ich würde ebenfalls behaupten, dass die 30.000 Stunden erst einmal nach viel klingen, aber oftmals deutlich höher ausfallen dürften.
Ich musste leider schon Spot ernten, als ich mit Kollegen am Esstisch saß und darum gebeten habe, das Handy wenigstens für die Dauer des Essens in der Hosentasche zu lassen.
Vielleicht ist es bei mir ein Sonderfall, ich habe vielleicht 15 min Smartphone-Screen-Time am Tag. Uhrzeit nachsehen und Fahrkarte zeigen, kaum Anrufe oder Nachrichten beantworten. Ich habe unabhängig davon, wo ich mich befinde, immer andere internetfähige Geräte zur Verfügung. Ich hasse Toucheingaben und winzige Bildschirme 😅 .
Von Social Media war ich auch nie ein großer Fan. Social Media hat mir immer nur gezeigt, dass sich kein Mensch für meinen 💩 interessiert. Trotzdem bin ich oft in einem Doomscrolling-Loop hängengeblieben, man könnte eine revolutionäre Neuerung verpassen.
Twitter/X habe ich schon lange aufgegeben. BlueSky und Instagram nutze ich grundsätzlich nur im Readonly-Mode. Gelegentlich vielleicht auch, um einen von mir typisch dummwitzigen Kommentar bei Freunden und Bekannten zu hinterlassen. Während ich schon Instagram absoluten Rotz finde, war ich beim Ausprobieren von TikTok entsetzt, wie nutzlos und manipulativ diese Plattform im Kern ist.
Seit Anfang des Jahres setze ich mir klare Ziele, sollte ich BlueSky oder Instagram aufsuchen. Um den Input zu drosseln, habe ich mir Leselisten eingerichtet, z. B. für Softwareentwicklung oder Kunst. So entkomme ich i. d. R. dem ewigen Doomscrolling.
Da ich gerade die Zeit mit dem Blogeingetrag wertgeschätzt habe, auch mit dem Hintergrund, die Person dahinter etwas besser zu kennen, werde ich wieder häufiger Blogs lesen.
Vielen Dank für deinen Kommentar, Oliver 🙂
Eben! Oft steht uns viel mehr Zeit zur Verfügung als wir denken. Wenn wir ganz ehrlich mit uns selbst wären, würden wir erkennen, das wir sie einfach oft nur suboptimal nutzen :D. (Jetzt hoffentlich ein bisschen besser bzw. seit meinem Instagram Entzug definitiv deutlich besser).
Was gemeinsames Essen angeht hab ich Gott sei Dank keine Leute in meiner Umgebung, die so drauf sind (weder bei der Lehrstelle noch bei Freunden, noch WG). Aber ich sehe es extrem bei meinen Schülern, die auch Inspiration für die Reihe waren neben dem Video etc. Keine 5 Minuten schaffen die es ohne Handy und natürlich mit lauten Benachrichtigungseinstellungen geht das „Bing“ „Swoosh“ und co. alle paar Minuten für alle hörbar durch den Raum. Könnte man wahnsinnig werden, aber hey, positiv denken, eine gute Übung für Geduld xD.
Weiterhin happy digital detoxing 😀
Rainer Lange (Amenophis), 18.07.26
Da ist Vieles, sehr Vieles wahr an dem Artikel. Zu einem Teil jedenfalls sehe ich mich hier auch wieder.
Seit 4 Jahren Rentner, vorher 49 Jahre berufstätig, davon 32 am Bildschirm. Verheiratet, 3 Kinder. Da war ich früher platt nach der Arbeit, keinen Bock mehr auf irgendeinen Bildschirm im privaten Bereich.
Aquarellieren war so mein Hobby, aber äußerst selten, den auch dazu konnte ich mich selten aufraffen.
Vor 2 Jahren dann angefangen, mit der S-Art-School die Grundkenntnisse des Zeichnens zu erlernen. Macht Spaß. Ohne ein Hobby würde ich als Rentner verrückt werden.
Aber jetzt zum Thema: Mehr Zeit bedeutet auch, dass Handy oder iPad öfters zu benutzen und mal schauen, was es so alles gibt. Social Media im allgemeinen hasse ich wie die Pest, hab mich nach kurzen Versuchen überall abgemeldet. Sind mir echt zuviele aggressive Spinner dabei und schnell gemerkt, ist nicht meine Welt, frisst unnötig Zeit für einen Haufen Blödsinn, der mir rein gar nichts brachte. Da habe ich direkt gemerkt, wie viel Zeit Menschen für was auch immer auf den Seiten verbringen.
Mein Social Media beschränkt sich heute ausschließlich auf Discord in Sandra‘s Community. Da habe ich Leute gefunden, mit denen sich auch eine Unterhaltung wirklich lohnt, die sich auf meinem Niveau bewegen.
Meine Entwicklung in den Zeichen-Kursen mit anderen teilen, dass nenne ich wertvoll die Zeit verbringen.
Die Leute dort sind bisher alle sehr nett und es macht wirklich Spaß und Sinn.
Aber auch ich merke, wie schnell Sozial Media zur Sucht werden kann. Und mit Sucht kenne ich mich bestens aus. Sozial Media und Sucht (hoffe, dazu kommt von Sandra noch was zu dem Thema).
Ich hatte vor einem Jahr angefangen, öfters in YouTube reinzuschauen, was vorher nie der Fall war. Da ich vielseitig belesen und interessiert an Vielem bin, merkte ich schnell, WAS DASS FÜR EINE UNENDLICHE QUELLE ist. Ob Live-Konzerte alter Bands, Weltraum, Technik, Geschichte etc. etc. . Ich begann damit, immer öfters abends mal ne Stunde oder auch länger alles mögliche zu schauen. Vor lauter Wissbegierigkeit merkte ich erst spät, dass das Ganze ein hohes Suchtpotential hat.
Es ist wirklich sehr clever gemacht von den Machern. Die KI weiß genau, was man gerne schaut und ballert mich immer mehr mit genau diesen Sachen zu. Und man schaut weiter und weiter.
Schon öfters ist es mir passiert, dass ich eigentlich lieber zu meinem Buch greifen wollte bzw. es mir fest vorgenommen hatte, kein YouTube zu gucken heute Abend. Denkste. Nur mal kurz reingeschaut und schon ging‘s wieder los. Zum Lesen bin ich dann nicht mehr gekommen. Es ist absichtlich so konzipiert, dass es Menschen schnell in eine Abhängigkeit führen kann. YouTube sehe ich für gewisse Menschen auch nicht anders als Facebook, TikTok & Co.
Ich habe lernen müssen, mich im Leben immer selbst stark zu analysieren, mich zu beobachten. Das hat was mit meiner Vergangenheit zu tun. Und das hilft mir jetzt. So bin ich immer auf der Hut und merkte an meinem Verhalten, dass was in die falsche Richtung gehen könnte. So auch jetzt mit Youtube. Habe ich aber mittlerweile stark eingeschränkt uns sehr vieles aus meinen vorgemerkten Playlists wieder gelöscht.
Versteht mich bitte nicht falsch. Youtube ist in einer Hinsicht brillant, wenn ich gezielt Infos brauche mal kurz lachen möchte, oder sonst was. Es birgt aber auch große Gefahren, besonders für labile Menschen.
Tick-Tok & Co. sollen ja noch viel schlimmer in Punkto Verführung sein. Ist ja überall z.Zt. in den Medien.
Ich sehe mit Schrecken, welche Schäden dies mit unserer Jugend anrichten kann und wie viele davon in eine Abhängigkeit -ohne dass sie es merken oder merken wollen- rutschen, aus der man nur sehr schwer wieder rauskommen kann. Es gibt auch hier in Wuppertal schon die ersten Selbsthilfegruppen, die sich mit dem Thema befassen.
Dabei ist die Spitze des Eisberges noch lange nicht erreicht. Die ersten KI-Freaks, die ohne Ki nichts auf die Kette kriegen, sind auch schon da.
„Schöne neue Welt“
Rainer
Hallo Rainer,
vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. 😊 Ich glaube, genau das macht das Thema so schwierig: Man merkt oft erst sehr spät, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit einem Social Media tatsächlich nimmt.
Dein Beispiel mit YouTube fand ich besonders spannend. Viele denken bei problematischer Social Media sofort an TikTok oder Instagram, dabei kann auch YouTube – gerade durch die personalisierten Empfehlungen – dieselben Mechanismen nutzen und einen immer weiter hineinziehen. Wie du schon schreibst: „Nur mal kurz schauen.“ Und plötzlich ist der Abend vorbei. Bei mir ist es YouTube tatsächlich nicht bzw. habe ich es so angepasst, dass ich es sehr gut unter Kontrolle habe, aber darauf würde ich später noch eingehen.
Dein Kommentar hat mich tatsächlich noch einmal dazu gebracht, den Blog-Beitrag zu überarbeiten. Ich habe unter anderem:
— einen neuen Abschnitt ergänzt, in dem ich erkläre, welche Formen von Social Media ich überhaupt meine (inkl. Grafik),
— den Einstieg erweitert, dass die Auswirkungen weit über kreative Hobbys hinausgehen und das gesamte Leben betreffen können,
— den letzten Abschnitt deutlich stärker auf das Thema Sucht und Suchtmechanismen ausgerichtet,
— die Kritik an den Plattformen selbst und ihrem Geschäftsmodell geschärft,
— sowie eine Liste mit Büchern und Dokumentationen ergänzt, falls sich jemand tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte.
Eigentlich wollte ich das Thema Sucht erst im dritten Teil der Reihe ausführlicher behandeln. Durch deinen Kommentar und meine eigenen Gedanken habe ich mich aber umentschieden und es vorgezogen. Deshalb wird als Nächstes nicht der geplante Hobby-Artikel erscheinen, sondern ein Beitrag darüber, wie ich selbst von problematischer Social Media losgekommen bin, welche Strategien mir langfristig geholfen haben und warum ein klassischer Digital Detox meiner Meinung nach oft nicht ausreicht. Erst danach geht es dann um das Thema Hobbys.
Und ich stimme dir vollkommen zu: Dass selbst Menschen mit viel Lebenserfahrung und einem erfüllenden Hobby wie dem Zeichnen merken, wie stark diese Mechanismen wirken können, zeigt, dass das Problem eben nicht nur mangelnde Disziplin ist. Genau deshalb sollten wir die Verantwortung nicht ausschließlich bei den Nutzern suchen, sondern auch kritisch hinterfragen, wie solche Plattformen überhaupt gestaltet werden.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für diesen ausführlichen und reflektierten Kommentar genommen hast. 🙂
Interessanter Post, ich denke es geht sogar noch viel weiter. Sicher gibt es die typischen Social Media (Insta, TikTok, FB und co.), welche Sandra insbesondere beschriebt und welche mit ihren Algorithmen die Süchte antreiben und bedienen. Nicht gut und muss irgendwie adressiert werden.
Aber: ich bin 64 Jahre, meide die typischen Social Media und mein Leben ist trotzdem viel unsteter geworden. Emails, WhatsApp-Gruppen, Infokanäle, online Zeitungen – und das alles in den Ferien in Italien mit Familie (Frau, Tochter und Mann, 2 kleine Enkelkinder).
Ich bin noch in der analogen Welt gross geworden. Jetzt bin ich dabei, alte Ordner und Notizbücher zu entsorgen, in Dokumente, Notizen, sogar Vorlesungsmitschriften abgelegt sind. Erinnert mich an eine Zeit ohne online Verfügbarkeit.
Alles besser? Sicher nicht, ich geniesse die heutige Zeit, aber – wie oben schon erwähnt – es ist viel unsteter geworden. Jede Pause an der Bushaltestelle wird mit Email, WhatsApp oder auch den letzten Nachrichten (ich rede NICHT von Social Media) verkürzt. Und ich habe das Gefühl, grössere Projekte anzugehen wird in diesem Umfeld deutlich schwieriger. Die „Fokus-Zeit“, welche bei Apple-Produkten angezeigt wird, sollte viel häufiger verwendet werden. Kein Medienkonsum irgendeiner Art. Um so Zeit und den gedanklichen Freiraum für anspruchsvollere Hobbies oder grössere Projekte zu gewinnen.
Der Blog-Post greift einen wichtigen Punkt auf und ich bin nicht sicher, ob es richtig ist ein „grösseres Fass aufzumachen“. Ich merke jedoch selber die Änderung ohne Konsum typischer Social Media und wollte diesen Gedanken hier hinzufügen. Auf dass wir alle irgendeinen Weg finden uns fokussiert längere Zeit etwas zu widmen.
PS: das Zeichnen mit der S-Art School ist schonmal ein guter Weg, sich auf eine schöne Art zu fokussieren.
Hallo Ralf,
vielen Dank für deinen interessanten Kommentar. Ich stimme dir da sogar zu. Ich glaube ebenfalls, dass unser gesamter Alltag deutlich schneller und unruhiger geworden ist als noch vor einigen Jahrzehnten. Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe, empfinde ich sie rückblickend ebenfalls als deutlich ruhiger als die heutige Zeit.
Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht den Eindruck vermitteln, dass ich gegen technischen Fortschritt oder das Internet an sich bin. Ganz im Gegenteil. Ich bin unglaublich froh, in einer Zeit mit Internet aufzuwachsen. Ohne Anime, Online-Foren und einige Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte, wäre mein Leben vermutlich ganz anders verlaufen oder gar nicht weiter verlaufen. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.
Für mich liegt der Unterschied deshalb weniger in der Technik selbst, sondern darin, wie sie gestaltet ist und wie wir sie nutzen. E-Mails, Messenger oder Online-Zeitungen können natürlich ebenfalls ablenken. Problematische Social-Media-Plattformen gehen meiner Meinung nach aber noch einen Schritt weiter, weil ihr Geschäftsmodell darauf basiert, unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden und immer wieder zu uns zurückzuholen.
Gleichzeitig finde ich aber auch, dass wir uns nicht moralisch über andere Menschen erheben sollten, nur weil sie gerade auf ihr Handy schauen. Wir kennen ihre Situation schließlich gar nicht. Vielleicht beantworten sie gerade eine wichtige Nachricht, lesen einen spannenden Artikel oder schreiben mit einem Menschen, der ihnen viel bedeutet. Ich glaube, jeder von uns muss seinen eigenen Weg finden, bewusst mit digitalen Medien umzugehen.
Deinen Gedanken zur Fokus-Zeit finde ich deshalb sehr schön. Ich glaube auch, dass wir uns solche bewussten Freiräume heute aktiv schaffen müssen. Genau dort entstehen oft die Ideen, die Konzentration und letztlich auch die Freude an größeren Projekten oder kreativen Hobbys.
Und ja – Zeichnen ist dafür tatsächlich eine wunderbare Möglichkeit. 😊 Vielen Dank, dass du deine Gedanken hier geteilt hast und weiterhin viel Spaß beim Lernen mit meinen Kursen!
Hallo Ralf, finde ich gut, dass du das Thema ansprichst. Bin 70 und auch noch voll analog aufgewachsen. Heute scann ich alles ein. Am meisten nervt mich aber die oft sinnlosen What‘s App Nachrichten von Leuten, die nix anderes zu tun haben. Das heißt nicht, da ich die Messenger verurteile, eigentlich sind sie praktisch, aber von 10 Nachrichten sind oft nur 2 interessant, der Rest überflüssig. Ganz schlimm finde ich Bekannte, die in 5 Minuten 5mNachrichten oder mehr schicke , dazu noch ellenlange Sprachnachrichten und davon noch mehrere hintereinander. Hab so jemanden in der Familie, den hab ich sogar blocken müssen, so ging der mir auf den Keks. Dann ne Zeit Ruhe, Anruf kam aber keiner. Danach wieder entsperrt und der Terror ging von vorne los.
Fazit: Das was man in 1 Minute Wichtiges in einem Telefonat besprechen kann, wird heutzutage oft in Horden von Nachrichten verschickt und manche werden sofort sauer, wenn ich nicht auf den Zug aufspringe.
Telefonieren mache viele einfach nicht mehr. Ich frage mich warum. Vielleicht weil ich in einem Telefonat sofort eingreifen bzw, das Gespräch mitsteuern oder übernehmen kann? Das geht nämlich bei den Nachrichten nicht, sie kommen einfach, ohne dass ich Einfluss auf deren Inhalt nehmen kann. Und genau das ist der Punkt, der mich so nervt. Manchmal möchte ich What‘sApp einfach löschen, brauche es aber für Vereine
Hallo Rainer,
da musste ich tatsächlich etwas schmunzeln. 😄
Bei WhatsApp geht es mir ähnlich. Für kurze organisatorische Dinge finde ich Messenger unglaublich praktisch. Wenn aus einer einfachen Frage aber zehn Nachrichten oder mehrere minutenlange Sprachnachrichten werden, wünsche ich mir manchmal auch ein kurzes Gespräch oder einfach eine einzige zusammenhängende Nachricht.
Beim Telefonieren bin ich allerdings genau das Gegenteil von dir. 😅 Ich telefoniere persönlich nur sehr ungern. Mir fehlt dabei die Mimik und Körpersprache meines Gegenübers und gerade mit meinem etwas ungewöhnlichen Tagesrhythmus fällt es mir oft schwer, spontan Zeit dafür zu finden. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Telefonate deutlich länger dauern als ursprünglich geplant, überhaupt nicht so wie du es schilderst. Meistens so produktiv wie unsinnige Business Meetings.
Ich glaube deshalb, dass es gar nicht die eine perfekte Kommunikationsform gibt. Entscheidend ist eher, dass wir bewusst damit umgehen und auch akzeptieren, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Vorlieben haben.
Letztlich geht es für mich beim ganzen Thema weniger um die Technik selbst als darum, dass sie unser Leben unterstützt – und nicht bestimmt. 😊
Hallo Sandra,
finde die Überarbeitung super gelungen. Danke an dich für die Erwähnung des Thema’s Sucht. Es war mir ein wichtiges Anliegen. Toll gemacht. Freu mich schon auf Teil 2.
Hallo Rainer,
vielen Dank, das freut mich wirklich sehr. 😊
Teil 2 wird sich dann ganz praktisch damit beschäftigen, wie ich persönlich von problematischer Social Media losgekommen bin und welche Strategien mir langfristig geholfen haben – ohne nach kurzer Zeit wieder in alte Muster zurückzufallen.
Vielen Dank nochmal für deinen wertvollen Input und deine Zeit! 🙂