Wie Social Media deine Kreativität zerstört [1/3]

von Juli 14, 2026

Lesezeit: 18 Minuten

„Ich habe keine Zeit.“

Diesen Satz höre ich immer wieder, egal ob es ums Zeichnen, 3D, Lesen oder ein anderes Hobby geht. Ich glaube allerdings, dass Zeitmangel häufig gar nicht das eigentliche Problem ist.

Denn Erwachsene verbringen heute mehrere Stunden täglich vor Bildschirmen und einen erheblichen Teil davon auf Social Media.

Doch Social Media kostet nicht nur Zeit, sondern verändert auch Aufmerksamkeit, Motivation, Vergleichsverhalten und damit die Voraussetzungen, die wir für kreative Hobbys benötigen.

Ich schreibe das bewusst als Künstlerin. Obwohl ich Social Media selbst beruflich genutzt habe, habe ich Plattformen wie Instagram inzwischen weitgehend den Rücken gekehrt. Nicht, weil Social Media grundsätzlich schlecht ist, sondern weil ich gemerkt habe, welchen negativen Einfluss es auf mich hat und wie sehr es mich davon abhält, das zu tun, was ich eigentlich tun möchte: Kunst erschaffen.

Mit diesem Artikel möchte ich dich deshalb nicht davon überzeugen, dein Smartphone sofort zu verschrotten und wie ein Eremit komplett auf Social Media zu verzichten.

Ich möchte dich dazu bringen, deine Social-Media-Nutzung ehrlich zu hinterfragen und – wenn möglich – deutlich zu reduzieren. Denn sehr wahrscheinlich kostet sie dich weit mehr als nur ein paar Stunden Zeit.

kreative Blockaden lösen

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Social Media lässt dich mehr konsumieren als erschaffen

Kreativität bedeutete früher vor allem eines: selbst etwas zu erschaffen. Heute verbringen viele von uns deutlich mehr Zeit damit, die Kreativität anderer Menschen zu konsumieren.

Wir schauen Speedpaints, speichern Bilder auf Pinterest oder Instagram und bewundern fertige Kunstwerke. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Inspiration kann unglaublich wertvoll sein. Problematisch wird es erst, wenn Konsum das eigene Schaffen ersetzt.

Frag dich deshalb einmal ehrlich: Auf wie viele Kunstwerke, Videos oder Beiträge anderer Menschen folgt bei dir ein eigenes Werk? Ich vermute, dieses Verhältnis ist bei den meisten erschreckend unausgeglichen.

Schau außerdem einmal auf deine Bildschirmzeit. Nutzt du Social Media durchschnittlich nur eine Stunde pro Tag, summiert sich das im Laufe eines 80-jährigen Lebens bereits auf über 30.000 Stunden – also mehr als drei Jahre.

Drei Jahre, in denen du auch an deinen eigenen Träumen hättest arbeiten können.

30.000 Stunden Grafik

30.000 Stunden reichen aus, um außergewöhnlich gut zeichnen zu lernen, mehrere Fremdsprachen zu beherrschen, tausende Bücher zu lesen oder mehrere zu schreiben, unzählige Kunstwerke zu erschaffen oder mehrere Instrumente zu lernen. Stattdessen investieren viele von uns diese Zeit in den Konsum der Werke anderer.

Und die meisten Menschen verbringen deutlich mehr als eine Stunde täglich auf Social Media. Bei mir waren es beispielsweise an manchen Tagen sogar mehr als drei Stunden und das hat mir definitiv die Augen geöffnet.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Der Konsum von kreativem Content kann sich schnell wie Lernen anfühlen. Nach einer Stunde Tutorials oder Zeichenvideos hat man oft das Gefühl, viel gelernt zu haben. Tatsächlich zeigen Lernforscher seit Jahren, dass wir passives Lernen häufig überschätzen.

Wirkliches Lernen entsteht vor allem dann, wenn wir selbst aktiv werden und das Gelernte anwenden – also tatsächlich zeichnen, statt nur anderen dabei zuzusehen. [1]

Inspiration sollte der Anfang kreativer Arbeit sein. Für viele ist sie inzwischen zu ihrem Ersatz geworden.

Frag dich deshalb nun: Führt Social Media tatsächlich dazu, dass du mehr erschaffst und lernst – oder hauptsächlich dazu, noch mehr zu konsumieren?

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Social Media erschwert dir den Einstieg in kreative Hobbys

Der größte Schaden von Social Media besteht meiner Meinung nach jedoch nicht einmal in der verlorenen Zeit. Viel problematischer ist das, was dadurch häufig gar nicht erst passiert.

Vielleicht kennst du das selbst: Du möchtest eigentlich zeichnen, lesen oder an einem eigenen Projekt arbeiten. Bevor du überhaupt anfängst, öffnest du „nur kurz“ Instagram oder TikTok. Eine Stunde später bist du immer noch dort. Danach fühlst du dich vielleicht unruhig, leer oder sogar leicht angespannt. Der Gedanke, jetzt etwas Kreatives zu tun, wirkt plötzlich überraschend anstrengend.

Genau diese Erfahrung habe ich selbst immer wieder gemacht. Nicht nur beim Zeichnen, sondern auch beim Lesen. Obwohl ich wusste, dass mir beides langfristig deutlich mehr gibt als eine weitere Stunde Social Media, fiel mir der Einstieg plötzlich viel schwerer. Heute glaube ich, dass dahinter mehr steckt als mangelnde Disziplin.

Aus meinen Analyse-Statistiken weiß ich zum Beispiel auch, dass selbst diesen kurzen Blog-Artikel nur die wenigsten vollständig lesen werden. Die meisten sind nicht mehr dazu in der Lage, zusammenhängende Texte zu lesen ohne direkt abgelenkt zu werden und ihren Fokus zu verlagern. Wie steht es mit dir? Bist du hier noch am konzentrierten Lesen oder hast du nebenbei einen anderen Browser-Tab mit einem laufenden Video offen oder das Handy gezückt? Wenn ja, leg all das einmal beiseite und lies weiter. Dein Gehirn wird dir danken. (Ausnahme ADHS. Aber auch dann gilt: Springe nicht zwischen vielen Dingen hin und her, sondern hab gern Musik oder einen ähnlichen Hintergrundreiz aktiv, aber leg deinen Fokus jetzt auf das Lesen.)

Social Media nimmt uns also nicht nur Zeit. Es erschwert oft auch den Einstieg in genau die Tätigkeiten, die uns langfristig guttun würden.

Kreative Hobbys belohnen uns meist erst später. Eine gute Zeichnung entsteht selten in wenigen Minuten. Ein Buch liest sich nicht von allein. Und ein Instrument beherrscht man nicht nach einer Übungseinheit. Der größte Teil der Belohnung entsteht erst, nachdem wir eine gewisse Zeit konzentriert an einer Sache gearbeitet haben.

Social Media funktioniert genau umgekehrt. Jede neue Benachrichtigung, jeder Like und jeder weitere Beitrag liefert innerhalb weniger Sekunden einen neuen Reiz. Dadurch gewöhnt sich unser Gehirn an schnelle Belohnungen und verliert leichter die Geduld für Tätigkeiten, deren Erfolg erst später sichtbar wird.

leeres Skizzenbuch

Auch die Forschung weist inzwischen in diese Richtung. Mehrere Studien zeigen, dass intensive Social-Media-Nutzung mit stärkerer Ablenkbarkeit, geringerer Aufmerksamkeit und schwächerer Impulskontrolle zusammenhängen kann. [2]

Gleichzeitig zeigen Studien, dass soziale Belohnungen wie Likes oder neue Inhalte unser Belohnungssystem aktivieren. Dadurch können sie mit Tätigkeiten konkurrieren, deren Belohnung erst deutlich später eintritt – etwa Zeichnen, Schreiben oder Musizieren. [3]

So entsteht ein Teufelskreis: Weil der Einstieg ins Hobby schwerfällt, greifen wir lieber wieder zum Smartphone. Das verschafft uns kurzfristig eine schnelle Belohnung – macht den nächsten Einstieg aber oft noch schwieriger.

Natürlich ist dieses Forschungsfeld noch vergleichsweise jung und längst nicht jede Studie kommt zu denselben Ergebnissen. Trotzdem müssen wir nicht immer darauf warten, dass uns Wissenschaftler erklären, wie wir uns fühlen. Manchmal reicht es, das eigene Verhalten ehrlich zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen.

Beobachte dich einfach einmal selbst. Wie oft wolltest du heute eigentlich zeichnen, lesen oder an einem Projekt arbeiten – und wie oft hast du stattdessen zuerst dein Smartphone geöffnet? Vielleicht verrät dir diese ehrliche Beobachtung mehr über deine Gewohnheiten als jede Statistik.

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Social Media raubt dir kreative Leerräume

Es gibt noch einen weiteren Effekt von Social Media, über den meiner Meinung nach viel zu selten gesprochen wird.

Früher gab es im Alltag viele kleine Momente, in denen einfach nichts passierte. Wir warteten auf den Bus, saßen im Wartezimmer, standen an der Kasse oder schauten einfach aus dem Fenster. Heute greifen wir in genau diesen Momenten fast automatisch zum Smartphone.

Langeweile ist für viele Menschen etwas geworden, das möglichst sofort beseitigt werden muss. Dabei ist sie keineswegs nur etwas Negatives.

Gerade wenn unser Gehirn einmal nicht permanent mit neuen Reizen beschäftigt ist, beginnt es, Gedanken miteinander zu verknüpfen. Wir erinnern uns an Dinge, entwickeln neue Ideen oder finden plötzlich Lösungen für Probleme, über die wir schon länger nachdenken.

Vielleicht kennst du das selbst. Die besten Ideen entstehen oft unter der Dusche, beim Spazierengehen oder kurz vor dem Einschlafen – also genau dann, wenn unser Gehirn nicht permanent mit neuen Reizen beschäftigt ist.

Menschen warten mit Smartphones

Ich merke das inzwischen sogar an meinem Schlaf. Wenn ich mir tagsüber bewusst kleine Leerräume gönne statt Social Media (z. B. Arbeitspausen ohne irgendetwas zu tun oder nur kurz Wasser holen), schlafe ich abends deutlich ruhiger ein. Fehlen diese Momente dagegen, habe ich oft das Gefühl, dass mein Gehirn erst im Bett beginnt, den ganzen Tag nachzuarbeiten. Plötzlich schießen mir Ideen, Gedanken und To-do-Listen durch den Kopf und das Einschlafen fällt mir deutlich schwerer.

Deshalb versuche ich inzwischen, möglichst viele schnelle Dopaminreize wie Social Media bewusst eher auf den Abend zu legen (wenn überhaupt) und meinem Gehirn tagsüber immer wieder kleine Ruhephasen zu geben. Das funktioniert natürlich nicht immer, hat mir persönlich aber geholfen.

Auch die Forschung weist in diese Richtung. Kreative Einfälle entstehen häufig im Wechsel zwischen konzentrierter Arbeit und Phasen, in denen unsere Gedanken frei schweifen dürfen. Solche sogenannten Inkubationsphasen können kreatives Denken fördern. Wenn jedoch jede kleine Pause automatisch mit Social Media gefüllt wird, verschwindet genau dieser mentale Freiraum.[4]

Natürlich geht es nicht darum, niemals wieder aufs Handy zu schauen. Die Frage ist vielmehr: Muss wirklich jede freie Minute mit neuen Inhalten gefüllt werden? Vielleicht braucht dein Gehirn gar nicht noch mehr Input, sondern weniger Input und etwas mehr Ruhe.

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Social Media schwächt dein Selbstbewusstsein

Es war noch nie so einfach, sich mit anderen zu vergleichen wie heute – egal ob beim Aussehen, Besitz oder als Künstler.

Mit wenigen Klicks sehen wir perfekte Zeichnungen, beeindruckende Skizzenbücher, wunderschöne Ateliers und aufwendig produzierte Timelapses. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ich selbst schaue mir unglaublich gern die Arbeiten anderer Künstler an – aber mittlerweile in Maßen. Und genau das ist der entscheidende Unterschied.

Das Problem ist nämlich: Wir vergleichen unsere Realität mit den Highlights tausender Menschen. Wir sehen das fertige Kunstwerk, aber nicht die hunderten misslungenen Skizzen davor. Wir sehen das perfekt eingerichtete Atelier, aber nicht den jahrelangen Weg dorthin. Wir sehen zehn Sekunden eines Timelapses, aber nicht die vielen Stunden Arbeit dahinter.

Selbst wenn uns das alles logisch bewusst ist, verändert dauerhafter Konsum unsere Wahrnehmung trotzdem auf emotionaler Ebene.

Social Media Spruch

Genau deshalb hatte ich früher häufig das Gefühl, nie gut genug zu sein. Egal wie viel ich zeichnete – irgendwo gab es immer jemanden, der besser war. Hinzu kam der ständige Druck, möglichst geeigneten Content mit der Kamera zu erzeugen.

Das hat mir oft die Freude am Zeichnen genommen, weil ich ständig die perfekten Bilder anderer Künstler und die spätere Produktion für den Algorithmus im Kopf hatte statt meiner eigenen Ideen. Weg vom Prozess und immer mehr Fokus auf ein schnelles Resultat. Doch gut und schnell passt nicht zusammen. Qualität braucht Zeit.

Rückblickend glaube ich, dass mich dieser ständige Vergleich und Zeitdruck deutlich mehr ausgebremst als motiviert hat. Ein bisschen Inspiration ist gut. Das Problem ist nur: Social Media kennt keine gesunden Grenzen.

Auch die Forschung weist inzwischen auf diesen Zusammenhang hin. Menschen vergleichen sich auf Social Media häufiger mit scheinbar erfolgreicheren oder talentierteren Personen. Solche aufwärtsgerichteten Vergleiche gehen im Durchschnitt mit einer geringeren positiven Selbstbewertung und einem niedrigeren Wohlbefinden einher.[5][6]

Für kreative Hobbys kann das besonders problematisch sein. Wer sich nach dem Scrollen schlechter fühlt als vorher, beginnt seltener, hält kürzer durch und bewertet die eigenen ersten Lernschritte deutlich härter.

Vielleicht solltest du dir deshalb eine einfache Frage stellen: Vergleichst du dich gerade mit dem heutigen Ich von jemand anderem – oder mit dessen zehn Jahren Erfahrung? Denn jeder Künstler, den du heute bewunderst, musste irgendwann genau dort anfangen, wo du heute stehst. Der Unterschied ist nur, dass du diesen Anfang heute nicht mehr siehst.

Vermeide es deshalb möglichst, direkt vor dem kreativen Arbeiten die Bilder anderer Künstler zu konsumieren. Gib deinen eigenen Ideen zuerst eine Chance.

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Social Media beschlagnahmt deine Aufmerksamkeit

Vielleicht fragst du dich inzwischen: Warum fällt es eigentlich so schwer, einfach wieder aufzuhören? Die Antwort ist einfach: Weil Social Media genau dafür entwickelt wurde.

Das Geschäftsmodell sozialer Netzwerke besteht nicht darin, dich zu einem besseren Menschen bzw. Künstler zu machen oder dir dabei zu helfen, mehr Bücher zu lesen. Es besteht darin, deine Aufmerksamkeit möglichst lange auf der Plattform zu halten. Denn je länger du dort bleibst, desto mehr Werbung kann dir gezeigt werden.

Deshalb hören Instagram, TikTok oder YouTube nie wirklich auf. Nach jedem Beitrag wartet bereits der nächste. Neue Benachrichtigungen, Likes, Kommentare oder Videos sorgen dafür, dass unser Gehirn immer wieder auf eine kleine Belohnung hofft.

Dieses Prinzip ähnelt in gewisser Weise einem Glücksspielautomaten. Man weiß nie genau, wann der nächste besonders interessante Beitrag erscheint. Gerade diese Unvorhersehbarkeit sorgt dafür, dass wir immer wieder weiterscrollen, obwohl wir ursprünglich vielleicht nur fünf Minuten verbringen wollten. Genau deshalb gewinnt so oft der nächste Swipe gegen das Skizzenbuch.

Spielautomaten

Ich weiß, dass ich persönlich mit meinem ADHS besonders anfällig dafür bin, mich in Social Media zu verlieren. Für mich war das deshalb nicht einfach nur eine schlechte Angewohnheit, sondern etwas, das mein Leben über Jahre hinweg spürbar beeinträchtigt hat. Ich war weniger kreativ, schlief schlechter, ließ mich ständig ablenken und hielt mich sogar selbst von meiner Arbeit als Selbstständige ab.

Das Verrückte daran: Eigentlich nutzte ich Social Media, um meine Kunst sichtbar zu machen und neue Teilnehmer für meine Kurse zu gewinnen. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass mir die Plattformen insgesamt mehr genommen als gegeben haben.

Auch die Forschung deutet inzwischen darauf hin, dass Social Media kreative Hobbys meist nicht direkt verdrängt, sondern über mehrere Mechanismen: Es nimmt Zeit in Anspruch, fragmentiert Aufmerksamkeit und erschwert Selbstregulation. Genau diese Kombination macht es wahrscheinlicher, dass wir gar nicht erst mit kreativen Tätigkeiten beginnen oder sie schneller wieder abbrechen.[7]

Gerade deshalb musste ich irgendwann akzeptieren, dass ich mich nicht dauerhaft gegen ein System durchsetzen kann, das genau auf diese Schwäche optimiert wurde. Ich habe mich daher bewusst dafür entschieden, Plattformen wie Instagram weitgehend hinter mir zu lassen und stattdessen andere Wege zu nutzen, um Menschen auf meine Arbeit aufmerksam zu machen – zum Beispiel über meine Website, meinen Blog, YouTube oder meinen Newsletter. Ich möchte lieber Inhalte erschaffen, die Menschen inspirieren, selbst kreativ zu werden, statt sie noch eine Stunde länger scrollen zu lassen. Für mich persönlich war das eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre.

Ich glaube nicht, dass Künstler Social Media komplett meiden müssen. Aber ich glaube, wir sollten uns ehrlich fragen, welche Art von Internet wir mit unserer Zeit unterstützen möchten.

Frage dich deshalb einmal selbst: Möchtest du in erster Linie Aufmerksamkeit erzeugen – oder etwas erschaffen, das Menschen langfristig weiterbringt? Für mich liegt genau darin der Unterschied zwischen kurzfristigem, oft schnell vergessenem Content und nachhaltiger Kreativität.

Wie Social Media deine Kreativität zerstört

Zusammenfassung

Hoffentlich verstehst du jetzt besser, warum Social Media auch deine Kreativität zerstören bzw. ihr zumindest schaden kann und warum du es deutlich kritischer sehen solltest.

Das Problem ist für mich nicht, dass Social Media grundsätzlich schlecht ist. Das Problem ist, dass es genau die Voraussetzungen angreift, auf die kreative Hobbys angewiesen sind.

  • Es verleitet uns dazu, mehr zu konsumieren als selbst zu erschaffen.
  • Es erschwert den Einstieg in kreative Tätigkeiten.
  • Es nimmt unserem Gehirn die Ruhe, in der neue Ideen entstehen.
  • Es bringt uns ständig dazu, uns mit den Highlights anderer Menschen zu vergleichen.
  • Und es kämpft mit ausgeklügelten Mechanismen jeden Tag um unsere Aufmerksamkeit.

Jeder einzelne dieser Effekte mag für sich genommen klein erscheinen. Zusammen können sie jedoch dazu führen, dass wir immer seltener das tun, was uns eigentlich glücklich, kreativ und erfüllt macht.

Ich glaube deshalb nicht, dass die meisten Menschen zu wenig Zeit für ihre Hobbys haben. Ich glaube vielmehr, dass viele ihre Zeit und Aufmerksamkeit unbewusst an Systeme verschenken, die davon profitieren, dass wir möglichst lange konsumieren, statt selbst etwas zu erschaffen.

Natürlich musst du Social Media deshalb nicht komplett aus deinem Leben streichen. Aber vielleicht lohnt es sich, die eigene Nutzung einmal ehrlich zu hinterfragen und zu reduzieren. Nicht für Instagram oder TikTok – sondern für dich selbst.

Denn am Ende stellt sich nur eine einzige Frage: Möchtest du die Kreativität anderer konsumieren oder deine eigene leben?

Wie geht es weiter?

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wenn ich Social Media reduziere: Womit fülle ich die gewonnene Zeit überhaupt?

Genau darum geht es im nächsten Teil dieser Blogreihe. Dort zeige ich dir, warum ich glaube, dass jeder Mensch vier verschiedene Hobbys haben sollte – und weshalb sie nicht nur glücklicher, sondern langfristig auch kreativer und erfolgreicher machen können.

Wenn du die Zeit, die du bisher mit Scrollen verbracht hast, wieder in deine eigene Kreativität investieren möchtest, begleite ich dich dabei gerne.

Mit der S-Art School Mitgliedschaft erhältst du einen klaren Lernweg, regelmäßige Zeichenübungen, eine motivierende Community und Feedback, damit aus Motivation eine nachhaltige Zeichenroutine wird.

Du bist dir noch unsicher? Dann starte kostenlos mit dem Zeichner-Kit und finde heraus, wie viel du bereits mit wenigen Minuten täglicher Zeichenpraxis erreichen kannst.

Und das war es dann auch schon mit diesem Beitrag. Ich hoffe er hat dir gefallen.
Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen :).
Ansonsten gilt wie immer: Bleib kreativ & bis bald!
deine Sandra

Fußnoten

[1] (Passives vs. aktives Lernen) —

Bjork, R. A., Dunlosky, J., & Kornell, N. (2013). Self-regulated learning: Beliefs, techniques, and illusions. Annual Review of Psychology, 64, 417–444. 

[2] (Aufmerksamkeit, Ablenkbarkeit, Impulskontrolle)

Siebers, M., Beyens, I., Pouwels, J. L., van Driel, I. I., Keijsers, L., & Valkenburg, P. M. (2022). Social media and distraction: An experience sampling study of adolescents‘ attention in daily life. Media Psychology, 25(5), 757–786. 

[3] (Belohnungssystem, Likes, schnelle Reize)

Sherman, L. E., Payton, A. A., Hernandez, L. M., Greenfield, P. M., & Dapretto, M. (2016). The Power of the Like in Adolescence: Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 27(7), 1027–1035. 

[4] (Kreative Inkubation, Mind-Wandering)

Baird, B., Smallwood, J., Mrazek, M. D., Kam, J. W. Y., Franklin, M. S., & Schooler, J. W. (2012). Inspired by Distraction: Mind Wandering Facilitates Creative Incubation. Psychological Science, 23(10), 1117–1122. 

[5] (Soziale Vergleiche, Wohlbefinden, Selbstbewertung)
Irmer, J., & Schmiedek, F. (2023). (Tagebuch-/Experience-Sampling-Studie zu Social-Media-Nutzung, aufwärtsgerichteten Vergleichen und Wohlbefinden bei Jugendlichen.)

[6] (Meta-Analyse: Aufwärtsgerichtete Vergleiche auf Social Media)

Irmer A., Schmiedek F. (2023) Meta-Analyse experimenteller Studien zu upward social comparison und deren Auswirkungen auf Selbstbewertung und Emotionen 

[7] (Zeitverdrängung, Aufmerksamkeit, Selbstregulation)

Nagata, J. M., et al. (2025). Longitudinal associations between social media use and attention, cognition, and youth development.

Ergänzend: Leonhardt, M., et al. (2024). Systematic review on social media, attention, and self-regulation.

Über die Autorin

Sandra Süsser – The Coaching Artist

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Kommentare

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Ich habe ihn vollständig gelesen und als wertvoll befunden. Selbst nach einem leseintensiven Tag Bildschirmarbeit, der mich für gewöhnlich vom Lesen in der Freizeit abhält.

    Das ist eine Thematik, über die mehr Menschen nachdenken sollten. Ich würde ebenfalls behaupten, dass die 30.000 Stunden erst einmal nach viel klingen, aber oftmals deutlich höher ausfallen dürften.

    Ich musste leider schon Spot ernten, als ich mit Kollegen am Esstisch saß und darum gebeten habe, das Handy wenigstens für die Dauer des Essens in der Hosentasche zu lassen.

    Vielleicht ist es bei mir ein Sonderfall, ich habe vielleicht 15 min Smartphone-Screen-Time am Tag. Uhrzeit nachsehen und Fahrkarte zeigen, kaum Anrufe oder Nachrichten beantworten. Ich habe unabhängig davon, wo ich mich befinde, immer andere internetfähige Geräte zur Verfügung. Ich hasse Toucheingaben und winzige Bildschirme 😅 .

    Von Social Media war ich auch nie ein großer Fan. Social Media hat mir immer nur gezeigt, dass sich kein Mensch für meinen 💩 interessiert. Trotzdem bin ich oft in einem Doomscrolling-Loop hängengeblieben, man könnte eine revolutionäre Neuerung verpassen.

    Twitter/X habe ich schon lange aufgegeben. BlueSky und Instagram nutze ich grundsätzlich nur im Readonly-Mode. Gelegentlich vielleicht auch, um einen von mir typisch dummwitzigen Kommentar bei Freunden und Bekannten zu hinterlassen. Während ich schon Instagram absoluten Rotz finde, war ich beim Ausprobieren von TikTok entsetzt, wie nutzlos und manipulativ diese Plattform im Kern ist.

    Seit Anfang des Jahres setze ich mir klare Ziele, sollte ich BlueSky oder Instagram aufsuchen. Um den Input zu drosseln, habe ich mir Leselisten eingerichtet, z. B. für Softwareentwicklung oder Kunst. So entkomme ich i. d. R. dem ewigen Doomscrolling.

    Da ich gerade die Zeit mit dem Blogeingetrag wertgeschätzt habe, auch mit dem Hintergrund, die Person dahinter etwas besser zu kennen, werde ich wieder häufiger Blogs lesen.

    Antworten
    • Vielen Dank für deinen Kommentar, Oliver 🙂

      Eben! Oft steht uns viel mehr Zeit zur Verfügung als wir denken. Wenn wir ganz ehrlich mit uns selbst wären, würden wir erkennen, das wir sie einfach oft nur suboptimal nutzen :D. (Jetzt hoffentlich ein bisschen besser bzw. seit meinem Instagram Entzug definitiv deutlich besser).

      Was gemeinsames Essen angeht hab ich Gott sei Dank keine Leute in meiner Umgebung, die so drauf sind (weder bei der Lehrstelle noch bei Freunden, noch WG). Aber ich sehe es extrem bei meinen Schülern, die auch Inspiration für die Reihe waren neben dem Video etc. Keine 5 Minuten schaffen die es ohne Handy und natürlich mit lauten Benachrichtigungseinstellungen geht das „Bing“ „Swoosh“ und co. alle paar Minuten für alle hörbar durch den Raum. Könnte man wahnsinnig werden, aber hey, positiv denken, eine gute Übung für Geduld xD.

      Weiterhin happy digital detoxing 😀

      Antworten

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