3D Modellieren lernen | 5 Gründe für 2D Artists

von Sep 4, 2022

Lesezeit: 15 Minuten
Egal, ob in Filmen und Serien, in Videospielen, auf designten Produkten oder als Print, man kommt nicht mehr um 3D herum.
 
In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie du 3D in jeder Phase deines kreativen Schaffenprozesses auch für deine 2D Werke nutzen kannst und warum du deshalb gerade als 2D Artist 3D Modellieren lernen solltest.
Du schaust lieber Videos als zu lesen? Kein Problem! Hier findest du den Beitrag »3D Modellieren lernen | 5 Gründe für 2D Artists« auch im Video-Format.
Warum 3D Modellieren lernen als 2D Artist? Zum YouTube Video

3D Modellieren lernen für 2D Artists

Grund 1 – Konzeption

In der ersten Phase eines Kunstwerkes, der »Konzeptionsphase« geht es darum, überhaupt erst einmal eine Idee bzw. eben ein Konzept für dieses Werk zu erschaffen.
 
  • Bei freier Kunst erfolgt diese Phase oft unbewusst, während du bereits die erste Farbe auf der Leinwand platzierst. Du schaffst dann aus dir selbst heraus ohne zusätzlichen Zweck.
  • Bei jeder anderen, angewandten Kunst wie Illustration, Concept Art oder Design, musst du jedoch erst einmal entschieden: Was willst du überhaupt wofür erschaffen? Oder wenn es sich um einen Auftrag handelt: Was könntest du für dieses Briefing erschaffen? Wie könntest du dieses Problem kreativ lösen?
Und anstatt hier Skizzen oder Notizen zu erstellen, um den Kreativprozess zu beginnen, kannst du hier bereits stattdessen auf 3D Modellieren zurückgreifen.
 
Einmal habe ich zum Beispiel alle Figuren für ein Alien Schachset 3D modelliert bzw. gesculpted. Und um überhaupt eine Richtung für das Schachset zu finden, welche Art Figuren ich erschaffen wollte, denn das stand nicht von Anfang an fest, habe ich einfach einmal drauf los gesculpted und mich nur grob an der Kreuzform der klassischen König-Schachfigur orientiert.
3D Modellieren lernen – Schachset Beispiel Sandra Süsser
Dabei wurde mir dann klar, dass ich thematisch Alien-Kreaturen inspiriert von Wassertieren für das Schachset erschaffen wollte. Jap, ich habe tendenziell irgendwie den Hang creepy creatures und den wollte ich hier einfach ausleben. Für die folgenden Figuren habe ich dann immer erst Zeichenstudien von bestimmten Wassertieren erstellt und das Gelernte davon dann in meine Skizzen mit starken Fokus auf die Silhouette der Figuren einfließen lassen, bevor ich diese in 3D Modelle umgewandelt habe. Aber diese erste kreative Sculpting Session war eben die Grundlage für alles Weitere – sozusagen 3D als Kreativitätstechnik.
3D Modellieren lernen – König Beispiel ZBrush Sandra Süsser
3D Modellieren lernen – König Beispiel Photoshop Overpainting Sandra Süsser
Und das funktioniert deswegen so gut, weil du in 3D mehr Bildmaterial zur Verfügung hast. Du kannst literally alles aus mehreren Perspektiven betrachten, was dir 2D nicht möglich ist. 2D müsstest du für jede Perspektive jeweils eine neue Skizze anfertigen. 3D kannst du hingegen einfach das Modell oder den Strich drehen – und »Zack» – hast du eine neue Ansicht und eine neue Möglichkeit für neue kreative Assoziationen.
 
Und neben Sculpting funktioniert diese Kreativitätstechnik auch wunderbar mit Kitbashing, bei der du aus verschiedenen 3D Modellen ein neues 3D Modell zusammensetzt – 3D collagieren sozusagen. Das also soweit zur Konzeptionsphase.
3D Modellieren lernen – Kitbashing Beispiel Sandra Süsser

3D Modellieren lernen für 2D Artists

Grund 2 – Skizzieren

In der zweiten Phase eines Kunstwerkes hast du dann deine Idee zumindest grob im Kopf und versuchst sie von dort aus in Form von ersten Skizzen auf das Papier oder die digitale Leinwand zu bringen. Und das ist genau die Stelle, wo dir meiner Meinung nach 3D Modellieren aktuell am meisten helfen kann und zwar in mehreren Punkten!
 
Einerseits eignen sich 3D Modelle nämlich super gut für Zeichenstudien! Wenn du gerade live nicht das Modell deiner Wahl zur Verfügung hast, was immer die beste Wahl wäre, kannst du damit deine Vorlage erneut mit all den möglichen Ansichten viel besser verstehen und damit zeichnen, als wenn du einfach nur Fotos zum Abzeichnen zur Verfügung hättest. Und noch besser: Wenn du selbst zunächst diese 3D Vorlage erstellst, profitierst du gleich mehrfach. Du lernst doppelt – beim Erstellen des Modells und dann beim Abzeichnen – und du hast ein digitales Asset geschaffen, welches du selbst beliebig oft in Zukunft nutzen und auch an andere weiter verkaufen kannst.
3D Modellieren lernen – Zeichenstudien Beispiele
Andererseits und das ist der wohl wichtigste Punkt, kannst du 3D wunderbar nutzen, um dir schnell eine gute Vorlage zum Überzeichnen zu schaffen.
 
Denn der große Vorteil von 3D ist, dass es dir mit der automatisch integrierten Perspektive eine der schwersten gestalterischen Grundlagen komplett abnimmt. Selbst, wenn du 2D gut perspektivisch zeichnen kannst, geht es in 3D einfach viel schneller und einmal modelliert, kannst du dein Modell dann schnell in jede beliebige andere Perspektive bringen, einen Screenshot machen und das Ganze dann überzeichnen, während du in 2D jedes Mal wie gesagt alles neu zeichnen müsstest. Und das muss, wie du siehst, auch gar nicht fein ausgearbeitet sein.
3D Modellieren lernen – 3D Tisch Beispiel
3D Modellieren lernen – Overpainting Beispiel
Gerade komplexe Stadtansichten, wie ich sie hier damals für das Animationsfilmprojekt »Wonderful World« erstellt habe, würden einfach Stunden, wenn nicht sogar Tage an Zeichenzeit kosten, die du durch 3D massiv reduzieren kannst. Wenn du also in Richtung Concept Art gehen willst, dann kommst du sogar eigentlich gar nicht drum herum, 3D zu lernen, da das mittlerweile Industriestandard ist.
3D Modellieren lernen – Wonderful World Overpainting
Das Tolle ist aber: deine 2D Zeichenkenntnisse und gestalterischen Grundlagen sind nicht verloren. Im Gegenteil: Um gut, 3D Modelle überzeichnen zu können, bist du dennoch auf diese Grundlagen angewiesen und gleichzeitig schärfst du sie jedes Mal, gerade dein Perspektivverständnis, wenn du in 3D arbeitest.
 
Außerdem hilft dir 3D auch nicht nur, perspektivisch korrekt zu zeichnen, sondern auch dabei diese Perspektive überhaupt erst einmal zu finden: sprich Kompositionsfindung. Bei meinem Sternzeichen Projekt hatte ich zum Beispiel für das erste Werk zwar im Kopf, wie und wo die Steinbock Königin mit der Steinbock Kreatur interagieren sollte. Aber die genaue Komposition war mir noch unklar. Deshalb habe ich schnell 3D Modelle von der Szene gebaut, die teilweise topologisch auch gar nicht gut waren. Doch so konnte ich dann mit der Kamera ganz leicht durch die Szene gehen und verschiedene Ansichten ausprobieren, bevor ich meine liebste genommen und in Photoshop überzeichnet habe. Auch hier also wieder eine enorme Zeitersparnis.
3D Modellieren lernen – Szene Sternzeichen
3D Modellieren lernen – Sternzeichen Overpainting Beispiele Sandra Süsser
Und schließlich möchte ich bezüglich der Skizzenphase auch nicht unerwähnt lassen, dass du gar nicht in 2D, sondern auch direkt in 3D skizzieren kannst. Tools wie der Grease Pencil und Co. in Blender machen es möglich. Aber das nur am Rande!
3D Modellieren lernen – 3D Skizze

3D Modellieren lernen für 2D Artists

Grund 3 – Ausarbeitung

Auch in der dritten Phase – wenn du von der Skizze in die Ausarbeitung deines Kunstwerkes übergehst – kannst du das 3D Modellieren wunderbar ergänzend in deinem 2D Workflow nutzen.
 
Einmal kannst du ähnlich wie zuvor auch hier wieder leichter Referenzen zum Abzeichnen bzw. Korrigieren deines 2D Kunstwerkes erzeugen. Bei meiner Illustration »The Second Horseman« war ich mir zum Beispiel im fortgeschrittenen Prozess unsicher, wie genau ich die Arme des Characters bzw. dessen generelle Pose auszeichnen sollte – sie wirkte noch nicht ganz so wie gewollt. Entsprechend habe ich einen kleinen 3D Dummy, hier sogar mit entsprechendem Licht und Farben, mit DAZ und Blender erstellt und diesen dann beim Zeichnen als Referenz verwendet.
3D Modellieren lernen – Blender Beispiel Vorlage
3D Modellieren lernen – The Second Horseman Illustration Sandra Süsser
Oder anstatt nur einfache Modelle als Referenz zu erstellen, kannst du diese auch weiter ausarbeiten und quasi dann nur das finale Rendering und Polishing in 2D darüber umsetzen – entweder vereinfacht als Linienzeichnung, was sich besonders für Concept Zeichnungen sehr gut macht, als cartoony Overpainting, oder als realistisches Overpainting in Kombination mit Photobashing Techniken – auch hier wieder praktisch ein Muss für jeden Concept Artist und eine nützliche Technik für alle anderen Künstler.
3D Modellieren lernen – Blender 3D Modell Interior
3D Modellieren lernen – Blender 3D Modell Interior
3D Modellieren lernen – Blender 3D Modell Interior

3D Modellieren lernen für 2D Artists

Grund 4 – Präsentation

Schließlich hast du dein Kunstwerk fertiggestellt und willst es nun in der vierten Phase der »Präsentation« wahrscheinlich der Welt zugänglich machen – über dein Portfolio, Social Media oder welche Kanäle auch immer. Und auch da kann dir 3D Modellieren wiederum nützliche Dienste leisten.
 
Gerade wenn du ohnehin digital 2D arbeitest, aber auch wenn du deine 2D Werke digitalisierst, kannst du diese ganz leicht ansprechender präsentieren, wenn du sie auf sogenannte Mock-Ups applizierst – also wenn man dein Werk konkret appliziert auf einem anderen Objekt sieht wie etwa dein Buch-Cover auf einem tatsächlichem Buch. Natürlich könntest du das Ganze auch fotografieren, aber auch dieser Skill will erst einmal gelernt sein, man benötigt das entsprechende Equipment und zeitaufwendig ist das Ganze auch.
 
Wenn du wiederum 3D Modellieren beherrschst, dann bist du nicht auf das Fotografieren oder externe Dienstleister angewiesen, um diese Mock-Ups zu erstellen, sondern kannst sie eben selbst mit weniger Aufwand generieren und vor allem immer wieder verwenden.
3D Modellieren lernen – Blender 3D Mock-Up
3D Modellieren lernen – Blender 3D Rendering Ostereier
Aber das sind nur einige Beispiele und auch damit ist noch lange nicht Schluss mit dem, womit dir 3D helfen kann!

3D Modellieren lernen für 2D Artists

Grund 5 – Kompletter Workflow

Denn schließlich kannst du mit 3D auch deine 2D Werke komplett in den 3 Dimensionen zum Leben erwecken. Das heißt, du legst vielleicht nur die ersten Skizzen für dein Projekt in 2D an und setzt dann aber das restliche Werk komplett als 3D Modell oder fertiges Rendering um!
 
Gerade für Leute, die nicht gern stundenlang Bilder im Detail malerisch ausarbeiten wollen, kann das ein wahrer Segen sein, da du eben „nur 3D Modellieren“ musst, die Farbgebung aber vom Programm übernommen wird, wenn du die Lichter und Materialien richtig setzt.
 
Und natürlich kannst du auch nach dem Rendering aus dem 3D Programm, dieses auch noch einmal mit deinen 2D Fähigkeiten weiter verfeinern. Wenn du die zwei Skills einmal ausgebildet hast, harmonieren sie wirklich sehr gut zusammen.
 
Und wie du dir sicher bereits vorstellen kannst, eröffnen sich damit noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten für deine Werke!
 
Du könntest dann zum Beispiel einen 3D Druck von deinem Werk erstellen wie etwa eine Miniatur für ein Brettspiel, eine Animation, ein fertiges Modell für ein Videospiel, eine professionelle medizinische Illustration bzw. Erklärgrafiken, Marketing-Material, fertige Grafik-Designs oder auch einfach eine schöne Illustrations-Serie. Und und und.
3D Modellieren lernen – Sandra Süsser Art / Medizinische Illustration
3D Modellieren lernen – Sandra Süsser Art / Millet's Vegan Cream Drink Design
3D Modellieren lernen – Sandra Süsser Art / Pokedex Projekt

3D Modellieren lernen für 2D Artists

BONUS: Wie 3D lernen?

Wie du siehst: Die Anwendungs-Möglichkeiten von 3D sind für dich als 2D Artist, aber auch alleinstehend in allen Phasen deines Schaffensprozesses praktisch unendlich! Und vor allem ist es ein Gebiet, welches immer relevanter wird und mit welchem du demnach einen wichtigen Skill für die Zukunft und dein Portfolio aufbauen kannst!
 
Wenn du jetzt angefixt bist und auch gern 3D lernen möchtest, dann schau dir einmal meinen gerade neu erschienenen Kurs »Blender Memory« in der S-Art School an
3D Modellieren lernen – Blender 3D Memory Kurs
3D Modellieren lernen – Blender 3D Memory Kurs
In diesem erkläre ich dir als Komplettanfänger nämlich alle wichtigen Grundlagen für das 3D Modellieren / Modeling und den Einstieg in Blender. Und in der Premium-Variante erhältst du zudem auch Schritt-für-Schritt Anleitungen wie du dieses Wissen eben auch für deine 2D Werke nutzen kannst, wie ich es in diesem Beitrag unter anderem bereits angerissen habe! Unter dem Link findest du mehr Informationen! Ich würde mich freuen, dich als StudentIn zu sehen 🙂


Und dann bleibt wie immer nur noch eines zu sagen:


Bleib kreativ & bis bald!

Tipps für deine eigene Kreativ-Challenge & Gratitober 2019 Resumé (5/5)

Das Resumé zu meiner Gratitober Zeichen-Challenge 2019 & wie du selbst erfolgreich Kreativ-Challenges abschließt. Finaler Teil.

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Was ist Corporate Design, wieso ist es auch für Künstler wichtig und wie sieht es am Beispiel der S-Art School aus?

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10 Gründe, warum JEDER zeichnen lernen sollte

Zeichnen lernen – egal, ob digital oder traditionell – verbessert dein Leben ganzheitlich. Wieso genau das so ist, erfährst du im Beitrag.

Über die Autorin

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